Irgendwie ist es doch egal. Egal, die Einstellung, die wir spazieren tragen; egal, was er von dir will; egal, wie sie danach von dir denkt; egal, was sie sehen, wenn sie dir auf der Straße begegnen, in der U-Bahn. Im Sexshop, beim Arzt, auf dem Jahrmarkt, in einem ranzigen Puff, beim Einkaufen, vor dem IKEA-Kinderparadies. Ist doch scheißegal, was die tun, wenns nicht dein dreckiges, kleines Leben kreuzt, durchkreuzt. Spuck drauf, reg dich nicht auf. Sei halt gottverdammtindividuell, das ist doch genau dein Ding. Sei anders. Irgendwie, scheißegal wie. Na, die Hauptsache ist doch, dass man anders ist. Ist sie das nicht? Trauen, ha, trauen kann man doch eh keinem und wenn doch, dann nicht länger als zwei Wochen, weiter als fünzig Euro. Bullshit. Dann muss man wirklich anders sein. Sich verkrampfen, um sich endlich entkrampfen zu können. Pack den Bleistift weg und hol die Spraycan raus, es geht um deinen Lebensentwurf, Wurm. Besser noch: Der neuste Clou, eigene Körperflüssigkeiten. Blaupause aus rotem Blut, Konzeptskizzen aus Eiter oder Sperma. Und/Oder.
Sei wütend, trau dich zu wüten, trau dich, zu begreifen, dass ich dich verarscht hab. Trau dich dich zu begreifen.
Ironie, Kiddie. Verflucht! Richtig? Anders sein um jeden Preis, das ist ungefähr so klug wie D&G zu tragen und damit Stil zu erlangen. Verfluchte Apathie, erwach aus deinem lethargischen Rumgedümpel im seichten Brackwasser deiner eigenen verkackten, kleinen Ichwelt. Ichichich. Erkenne, dass du Teil bist. Sicher, ein Teil, ein entnehmbarer, betrachtbarer, individueller, verfluchtnocheins ein besonderer Teil. Aber eben auch nur ein Teil, von einem Gefüge, ein Licht in der Lichterkette. Sorg dafür, dass du in Reihe geschaltet wirst. Nicht parallel. Raub deinem Leben keine Zeit, nur um Zeit zum Leben zu verlieren. Sei ein Du. Und wenn du dich traust, dann kompromisslos. Leb deine Stadt, atme dein Revolution, konter deinen Herzschlag und breche aus. Schlag quer, Rumtreiber. Sei ein Vagabund, sei auf der Suche und liebe jeden Fund. Fließ wie Wasser, brenn wie entzündeter Absinth, auf einem Löffel. Mit Zucker. Grün.
Herzallerliebst, wie du ankämpfst, ankämpfst, ankämpfst. Dich diktieren lässt. Dich anpassen lässt, Modepuppe, Superstargroupie, deineMeinungBILDner, Sexandthecityjünger, gecasteter Freundeskreis, entgleist, Amoklauf, Hirntod, Kapital, Kapital, Ed Hardy. Verflucht, du strengst dich an, etwas zu sein, was du gar nicht bist. Wo ist der Sinn? Bist du eher Pepsi oder Coke? King oder Mc Donalds (sag nicht Mc Doof. So tief bist selbst du nicht gesunken)? Leben oder light? Ich kann dich nicht hören, du nuschelst, Arschloch. Wach auf.
Ich raufe mir wegen dir die Haare, du kannst doch nicht so vor den Hund gehen wollen. Los, Mann, hab Eier. Flieg. Lern zu fliegen. Finde Engel, lach. Sei Fee! Aber verdammt, sei. Sei. Und zwar nichts vorgefertigtes, fall doch nicht immer stumpf in ihre Förmchen. Sei kein Pressmännchen, sei doch, was du willst. Bleistift oder nicht. Schrei. Stell dich in den Supermarkt und schrei. Hey, es ist nur ein Schrei. Du bist ein Mensch, wer soll es dir denn übel nehmen?

schreibblockade verschwunden.
Böser Text. Geile Chucks.
Na den Text kenn ich doch
Sowas wie ein Trackback: http://die-chaosmacherin.blogspot.com/2009/08/blogparade-der-weltbesten-blogartikel.html
[...] Apathie [...]
[...] geht um meinen Beitrag zur Apathie und ich fühle mich natürlich sehr geehrt durch diese Nominierung. Jetzt liegt es an euch, dass [...]
Tatsächlich habe ich diesen Artikel hier eher beim ZappZerappen gefunden als speziell gesucht. Tatsächlich berührt er in mir eine sehr lange nicht genutzte Saite meiner Innenleben-Harfe.
Suchen, verzweifeln, drohen, locken, versagen, aber auch finden (und sei es für eine kurze Zeit), frohlocken (ob vermeintlich Gefundener), weiterkommen, Geborgenheit finden. Ist dies nicht typisch für einen reflektierenden, jungen Mann? Das Zerquälte, weil aus der Verzweiflung Geborene, das Enthusiastische, weil aus der Hoffnung heraus Gefundene. Das Einschränkende, Skeptische, genau dieses Glück wieder auf einen kleinen Zeitraum Beschränkende. Ja, das ist das Denken eines erwachsenen jungen Mannes, der alles andere ist als oberflächlicher Mainstream dieser unserer Spaßgesellschaft.
Eine solche Lebenseinstellung (und genau darum handelt es sich), birgt Risiken. Wäre es nicht oft verlockend, dem Mainstream zu folgen? Nicht immer nachzudenken, zu reflektieren und die große “Warum-Frage” in den Ring zu werfen? Und wie leicht es funktioniert, wenn man dieser Verlockung folgt: Die Spaßgesellschaft gibt ja sowohl den Takt vor, bestimmt aber auch die Noten dessen, was “man” zu erstreben hat. Das reicht vom Mainstream-Musikgeschmack einschließlich diverser Nischen, die eingerichtet wurden für die betont Individuellen bis hin zum ewig gepriesenen Individualismus und Liberalismus. Welches Tabu wurde eigentlich noch nicht gebrochen und warum überhaupt?
Die Antwort liegt in der Korrektur der Aufforderung im Artikel:
“Sei ein Du.” Wird hieraus ein “Sei ein Wir.”, und füllen wir dieses Wir mit den richtigen Werten und Zielen, dann werden wir auch die Antworten auf die vielen Fragen finden. Bis dahin gehen wir Introviertierten, Suchenden, weiter den Weg, den uns schon Goethe in seinem Werk “Die Leidendes jungen Werther” aufzeigte. Was nicht der schlechteste ist.
Georg
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[...] Und wir schafften es. Wir sind in der vom Meinungs-Blog veranstalteten Umfrage zum weltbesten Blogartikel in der Top Zehn gelandet. Zur Erinnerung: Es ging um meinen Artikel mit der treffenden Überschrift Apathie. [...]
[...] 23 Bällchen Eis mit Sahne und Krokantsplittern versprochen, wenn ich sage, dass ihr für seinen Artikel stimmen sollt. Nein, ist gelogen, ich hoffe einfach auf diese oder eine ähnliche Belohnung. Gerne [...]