Monat: August, 2009

Hui, da flattert mir doch tatsächlich eine eMail ins Haus, dass jemand einen Kommentar im Polaroidmedchen veröffentlicht hat. Aber seht doch selbst, liebe Leser:

Autor: killyou
du bist ein hurensohn und ich weiß wo du wohnst was du tust und was du magst ich weiß auch wo du gerade bist ich hasse dich und im laufe der nächsten 4 wochen werde ich dich in die hinterste ecke eines krankenhauses katapultieren und mein größter wunsch ist es dir schmerzen zu bereiten also dreh dich die nächsten tage besser um sonst bekommst du nix mit du pisser

So, wie geht man nun mit sowas um? Mal davon abgesehen, dass meine anonyme Nemesis sich aufführt wie eine Sphinx, und leider etwas zu feige ist, sich zu äußern, wer er oder sie ist und auch nicht, warum es diese Antipathie gegen meine Person hegt, scheint sie auch nicht die hellste Person zu sein, wie mich die Interpunktion und der Schreibstil vermuten lassen, was schade ist. Ausgerechnet in einem Beitrag zu “Auf der Buchstaben Spuren”, wo es doch um schöne Sprache geht. Also lieber Droher, fürs nächste Mal merken: Wenn schon, dann mit Stil.

Solltest du auch die Person sein, die mich mit unterdrückter Rufnummer auf mein Handy anruft, dann leg doch bitte nicht auf, wenn ich ran gehe, denn das kostet a) dich Geld und b) mich den Schweiß des Aufstehens und zum Handylaufens.

Desweiteren solltest du deine Taktik überdenken. Denn – und nun kommen wir zum Titel dieses Beitrages – WordPress ist ein wirklich durchdachtes System. Gerade für dich wurden IP-Speicherungen erfunden. Das hat in Zeiten der Vorratsdatenspeicherung den enormen Vorteil, dass dein Provider, wenn ich ihm deine IP weitergebe, ganz genau weiß, wer du bist. Sollte ich nun auf die schelmische Idee kommen, da ich ja nun hier öffentlich bedroht werde, mich an die Polizei zu wenden und eben dieser deine IP zu geben (80.187.105.xxx, wegen ungenauer Rechtslage unkenntlich gemacht; Original liegt mir vor) , dann fragen die bei deinem Provider nach, wer du bist.
Ist das Internet nicht schön?

§1) Warum krieg ich an einem Stand der UWG Rosen und Luftballons aber kein Wahlprogramm?
§2) Warum echauffiert sich ein Volk, dass im Jahr 100 Milliarden Euro Schulden einfährt über einen Geburtstag eines Idioten (verzeih mir, Ackermann), nicht aber über die eigentlichen Themen? (Wieso die Parteien darauf anspringen und das ausnutzen, das frag ich jetzt mal nicht)
§3) Wieso wählen Leute, die stumpf und hirntot ins Fernsehen sagen “Wir müssen doch wat für Deutschland tun un für de Arbeitsplätze. Und so!” die NPD? Und die andere liebe Omi, die so nett ausschaute, dass ich gern ein Werthers Echte von ihr wollte…sie sagte:  “Also unsere ganze Familie wählt in die Richtung, schon immer :)

Farce.

Lange hab ich gewartet um mich dann äußerst spontan für eine Nachmittagsvorstellung am Premieretag, sprich Donnerstag den 20.08.09, mit Patrick ins Kino zu bequemen. Der Herr Tarantino hatte sich wieder mal die Ehre gegeben, sich aus zu toben. Kein Double-Feature, keine schnöde Regie-Assistenz. Kein Kill Bill, welchen ich nur mäßig bis naja…mäßig fand.
Nein, Nazis sollten es sein. Viele. Und viele, die keine Nazis mögen; Juden z.B. Oder Franzosen. Und/oder jüdische Franzosen bzw französische Juden. Bomben. Gewehre. Bärenjuden und Kinos.

Tja, wo fang ich an? Vorweg: Ich bin begeistert. Mir hat der Film tierisch gut gefallen. Ich werd ihn jetzt nicht inhaltlich aufrollen, dafür gibt es genug Reviews und Filmbeschreibungen und spoilern will ich auch nicht.
Punkt 1) Die Trailer lügen. IB ist kein kurzweiliger Nazischnetzelfilm. Lt. Aldo Raine und seine Basterds sammeln nicht ihre 100 Nazi-Skalps (jeder von ihnen). Sie sind keine unbesiegbare Supertruppe, die im Alleingang Burg Sauerkraut von SS-Offizieren säubert. Der Film handelt nicht mal hauptsächlich von den IB’s selbst.
Punkt 2) Nazis sind Menschen. Beängstigend und ein immer kritisch-beäugter Punkt, bei Filmen, die im Umfeld des zweiten Weltkrieg spielen. Diese Nazis sind Menschen. Manche von ihnen sind sehr überzeugt von dem, was sie tun. Andere eher gar nicht mal so. Und das wird auch dargestellt. In den meisten Hollywood-Produktionen erfüllt der gemeine Landser genau zwei Aufgaben, die ich im folgenden näher beleuchten werde:

  • Aufgabe A) Er flüstert “Hey Klaus, hast du das auch gehört?”
  • Aufgabe B) Er stirbt.

So, das wars für den normalen Gefreiten. Der Totenkopfoffizier darf vielleicht noch eine Marotte ausspielen, eventuell eine kleine sexuelle Perversion, gegebenenfalls nordische Mythologie, die Wunderkräfte verleiht oder Aliens. Nazi-Ufos. Aber nachdem der Schrecken präsentiert wurde, wird auch der Offizier aus dem Bleiglasfenster des Speisesaals der Burg Sauerkraut geschossen und stirbt. Oder kommt schrecklich entstellt in Teil II zurück. Nicht in diesem Film. Und damit wären wir bei ihrem wichtigsten Vertreter, gemimt von Christoph Waltz, der seinen Job vorzüglich macht. Er spielt einen österreichischen SS-Standartenführer mit dem Namen Hans Landa. Eine ekelhafte, wenn gleich auch geniale Person. Er ist erschreckend intelligent und damit auch gleichzeitig gemein und gefährlich. Gemeingefährlich. Er trägt nicht umsonst den inoffiziellen Spitznamen “Judenjäger”. Er verbreitet Angst und Schrecken, egal wo er hinkommt. Und er hat den richtigen Riecher im Umgang mit Menschen. Gerade dieses Mischung aus großartigem Menschenkenner und nazitypischem, rassismusbedingtem Menschenhass macht ihn zu einem sehr plastischen Charakter.
Daniel Brühl. Deutschlands Hoffnungsmilchgesicht. Als zerrissener Gefreiter, zwischen Ruhm, Selbstzweifeln und aufkeimendem Größenwahn. Überraschend gut gespielt.
Til Schweiger, was hab ich gelacht. Til, oh Til, wir alle wissen, dass du nur ein Gesicht hast. Nur einen Blick. Und ja, in IB, er passt. So mancher würde dir vorwerfen, dass du wieder genau so guckst, wie du immer guckst. Aber nicht so ich! Es passt. Endlich! Du hast den Film gefunden, in dem du so gucken darfst.
Mélanie Laurent: Einfach nur grundsolide bis stellenweise herzzerreißend. Sie kämpft. Und das nimmt man ihr ab.
Brad Pitt: Ein genialer Blick. Ein sehr verschrobener Charakter. Er ist für viele der lässigen Sprüche und “coolen Szenen” im Film zuständig. Und bedient diese gut. Ohne Megastaralluren.
August Diehl mochte ich, in seiner großen Szene. Ich finde, er ist ein sehr, sehr überzeugender Darsteller. Manch einem ist er sicherlich aus 23 ein Begriff, wo er den deutschen Hacker Karl Koch spielte.
Sylvester Groth spielt zum zweiten Mal Göbbels. Gut gemacht, solide. Mit einigen schönen kleinen Macken.
Schwachstelle: Martin Wuttke als Hitler. Ich mochte die Rolle nicht. Er hat zum Glück wenig Screentime. Leider ist er dauercholerisch, so dass er dermaßen übertrieben wirkt, dass es nicht mal Hitler ziemt (ohweh, wie das klingt).

Dem tarantinoaffinen Zuschauer fällt direkt die Unterteilung in Kapiteln ein, die an die Situations aus Pulp Fiction erinnern und den Film vernünftig aufgliedern. Übrigens ist dieses Werk 160 Minuten lang. Er kam uns vor wie ein sehr kompakter, nie langweiliger 100 Minüter. Die Zeit flog nur so dahin und ich war noch Stunden später in dem Film gefangen. Lustigerweise habe ich das Gefühl, dass ich den Film schon 100 Mal gesehen hab, da mir die Charaktere dermaßen plastisch und authentisch vor kamen. Ich könnte zu jeden von ihnen einen eigenen Artikel schreiben. Ich weiß auch gar nicht, was ich noch alles zu dem Film schreiben soll. Es gäb noch tausend Sachen. Mir gefiel übrigens die Aschenputtel-Szene sehr gut. Aber seht selbst, seht selbst. Ich gebe dem Film – und das ist selten: Auf meiner Skala 10 von 10 möglichen Punkten.
So.

Außerdem mach ich mit diesem kleinen Review bei einem netten Gewinnspiel mit und zwar hier

Wer erinnert sich nicht gerne an die knallbunte Welt der frühen 90er mit Hits von Lucilectric, a la

Ein bisschen naiv. Ein bisschen antifeministisch. Trotzdem ein bisschen frech.

Was macht Frau Lucilectric aka Luci van Org wohl heute? Tja, die Frage ist leicht beantwortet. Für Kariesfanatiker, die gern schaukeln und gepunktete Sommerkleider mögen, ist sie vielleicht schockierend, für alle anderen präsentiere ich Üebermutter:

Genauer analysiert hab ich das noch nicht, aber es ist sehr äh speziell. So viel kann ich verraten.

Jaja, das Socialnetworking. Ist schon ein interessanter Sport und Anfangs sehr faszinierend. Aber ich zieh mich immer mehr davon zurück. Mein StudiVZ-Profil ist inzwischen gänzlich uninteressant, für Nicht-Autorisierte. Wer-Kennt-Wen? Lang gelöscht. last.fm? Im gleichen Atemzug. Verschiedene kleine Profile, wie z.B. auf der Seite der NEON existieren nicht mehr. Auch mein Facebook-Ausflug wurde vor wenigen Minuten endgültig beendet. Jetzt bekomm ich so langsam wieder Übersicht über die Daten, die über mich im Internet kursieren. Ich schreibe aktiv in zwei großen Foren mit. Ich schreibe diesen Blog. Ich habe einen deviantArt-Account, den ich eventuell wieder aufleben lasse. Mal sehen. Eventuell zieh ich einen Neuen auf und lösche den Alten. Dann hab ich noch ein privates, kleines Forum für unsere Rollenspielgruppe. Und ja, das wars dann tatsächlich auch schon. Klingt jetzt zwar noch sauviel, aber ist eigentlich sogar schon echt wenig. Und irgendwie beruhigt mich der Gedanke auch. Kontrolle über das zu haben, was von mir im Web stattfindet. Zumindest einigermaßen. Dass ein Teil von mir im Internet lebt, so wie es vielen, vielen meiner Generation geht (so auch sicher dir, lieber Leser, wenn du ehrlich zu dir bist), damit hab ich mich abgefunden. Aber ein wenig Kontrolle darüber, das ist sicher nicht verkehrt. Verflucht, einen Youtube-Account hab ich auch. Der beinhaltet aber keine persönlichen Angaben, sondern wird lediglich genutzt um Favoritenlisten anzulegen… Und alle paar Jubeljahre ein Video hochzuladen. Und… Es fängt ja schon wieder an.