Wieder ein älterer Text (aus dem Mai 2007), ich poste ihn direkt mal mit Hintergrundmusik und Bild. Irgendwie mag ichs so lieber.

Ich fand mich des Morgens, so dachte ich – denn wenn ich wach sei, müsse es wohl morgen sein – in einem Treppenhaus wieder. Es gab hier keinerlei Fenster und nur indirektes, steriles Industrielicht aus Massenfertigung. Die Wände waren in einem Grau gestrichen, welches so trist war, dass es schon lebendig sein müsste um so viel triste Stimmung verbreiten zu können – so lebendig, es schrie.
Der Boden dieses Treppenabsatzes bestand aus lieblosen Fließen, stumpf und leicht staubig. Meine Füße verschwanden einfach in diesen Fließen, als sei es eine zehn Zentimeter hoche Wasserlache. Ich sah sie nicht, nur die Knöchel schauten aus dem Boden. Ich stand festen Fußes, nur etwas tiefer. Ich konnte sogar normal laufen, ein paar Schritte, denn es war anstrengend; aber die Füße blieben stets unter den Fließen. Schwere Einsamkeit ergriff mich und zog an meinen Schultern wie ein nächtlicher Feind, der mir auf den Rücken gesprungen war und nun versuchte, mich zu Boden zu ringen. Eigentlich war ich gewillt diesem Feind in seinem Streben zu unterstützen und mich einfach von der einsamen Stille gefangen nehmen zu lassen.
Doch da war immernoch der Boden, würde die alte Dame Einsamkeit mich nun zwingen mich zu setzen oder mich gar rückwärtig auf die Fließen zu legen…Nicht auszudenken, ein Leben ohne modisches Schuhwerk war schon schlimm genug! Andererseits hat ich als Optionen nur den Weg runter, die Stahltreppe, extra aufgeraut, auf dass man nicht ausrutsche, denn dort unten war es dunkel, nichts zu sehen, kein Windhauch und kein Geräusch drangen von da empor. Schade, dass machte die Option unsicher. Den Weg nach oben, den konnte ich nicht erfassen, dieser war zwar erleuchtet, doch schien er endlos und die Anzahl der Stufen unendlich. Auch Schade. Also doch hinlegen und der Unsicherheit damit Einhalt gebieten?
Ich war somit gewissermaßen unentschlossen und entschied mich den Wachsmalstift zu nehmen, den ich eben in meiner linken Hosentasche gefunden hatte, als ich mich wunderte welche Hose ich denn kurz nach dem Aufwachen schon trage. Mit diesem Wachsmalstift, ein gar hässliches Neongrün – welches nach einer giftigen Substanz oder einem radioaktiven Präparat, von dem ja fälschlicherweise das grün-leuchtende Bild in jedermanns Kopf kursiert, schrie – malte ich ein Fenster an die Wand vor Kopf. Ein einfaches Fenster, mit dünnem Rahmen, lediglich einer Scheibe und ohne Gardinen oder selbiges.
Es bedurfte zu der Zeit keiner Dekoration. Ich öffnete mein Fenster. Wie ich gedacht hatte, es war noch Nacht. Es schien noch gar nicht so lange her, dass ich mich in mein Bett gelegt hatte und nun war ich schon aufgewacht, nur um mich an diesem fürchterlichen Ort wiederzufinden, es war doch zutiefst ärgerlich. Dabei wäre morgen so ein schöner Tag. So ein schöner Tag, dacht’ ich mir. Und du wirst unausgeschlafen sein und ihn nicht genießen können, weil du mitten im Nirgendwo in einem Treppenhaus aufgewacht bist.
Ich legte mich verärgert, über meinen eigenen leichten Schlaf und über den Architekten dieses Gebäudes, schlafen.