Lange hab ich gewartet um mich dann äußerst spontan für eine Nachmittagsvorstellung am Premieretag, sprich Donnerstag den 20.08.09, mit Patrick ins Kino zu bequemen. Der Herr Tarantino hatte sich wieder mal die Ehre gegeben, sich aus zu toben. Kein Double-Feature, keine schnöde Regie-Assistenz. Kein Kill Bill, welchen ich nur mäßig bis naja…mäßig fand.
Nein, Nazis sollten es sein. Viele. Und viele, die keine Nazis mögen; Juden z.B. Oder Franzosen. Und/oder jüdische Franzosen bzw französische Juden. Bomben. Gewehre. Bärenjuden und Kinos.
Tja, wo fang ich an? Vorweg: Ich bin begeistert. Mir hat der Film tierisch gut gefallen. Ich werd ihn jetzt nicht inhaltlich aufrollen, dafür gibt es genug Reviews und Filmbeschreibungen und spoilern will ich auch nicht.
Punkt 1) Die Trailer lügen. IB ist kein kurzweiliger Nazischnetzelfilm. Lt. Aldo Raine und seine Basterds sammeln nicht ihre 100 Nazi-Skalps (jeder von ihnen). Sie sind keine unbesiegbare Supertruppe, die im Alleingang Burg Sauerkraut von SS-Offizieren säubert. Der Film handelt nicht mal hauptsächlich von den IB’s selbst.
Punkt 2) Nazis sind Menschen. Beängstigend und ein immer kritisch-beäugter Punkt, bei Filmen, die im Umfeld des zweiten Weltkrieg spielen. Diese Nazis sind Menschen. Manche von ihnen sind sehr überzeugt von dem, was sie tun. Andere eher gar nicht mal so. Und das wird auch dargestellt. In den meisten Hollywood-Produktionen erfüllt der gemeine Landser genau zwei Aufgaben, die ich im folgenden näher beleuchten werde:
- Aufgabe A) Er flüstert “Hey Klaus, hast du das auch gehört?”
- Aufgabe B) Er stirbt.
So, das wars für den normalen Gefreiten. Der Totenkopfoffizier darf vielleicht noch eine Marotte ausspielen, eventuell eine kleine sexuelle Perversion, gegebenenfalls nordische Mythologie, die Wunderkräfte verleiht oder Aliens. Nazi-Ufos. Aber nachdem der Schrecken präsentiert wurde, wird auch der Offizier aus dem Bleiglasfenster des Speisesaals der Burg Sauerkraut geschossen und stirbt. Oder kommt schrecklich entstellt in Teil II zurück. Nicht in diesem Film. Und damit wären wir bei ihrem wichtigsten Vertreter, gemimt von Christoph Waltz, der seinen Job vorzüglich macht. Er spielt einen österreichischen SS-Standartenführer mit dem Namen Hans Landa. Eine ekelhafte, wenn gleich auch geniale Person. Er ist erschreckend intelligent und damit auch gleichzeitig gemein und gefährlich. Gemeingefährlich. Er trägt nicht umsonst den inoffiziellen Spitznamen “Judenjäger”. Er verbreitet Angst und Schrecken, egal wo er hinkommt. Und er hat den richtigen Riecher im Umgang mit Menschen. Gerade dieses Mischung aus großartigem Menschenkenner und nazitypischem, rassismusbedingtem Menschenhass macht ihn zu einem sehr plastischen Charakter.
Daniel Brühl. Deutschlands Hoffnungsmilchgesicht. Als zerrissener Gefreiter, zwischen Ruhm, Selbstzweifeln und aufkeimendem Größenwahn. Überraschend gut gespielt.
Til Schweiger, was hab ich gelacht. Til, oh Til, wir alle wissen, dass du nur ein Gesicht hast. Nur einen Blick. Und ja, in IB, er passt. So mancher würde dir vorwerfen, dass du wieder genau so guckst, wie du immer guckst. Aber nicht so ich! Es passt. Endlich! Du hast den Film gefunden, in dem du so gucken darfst.
Mélanie Laurent: Einfach nur grundsolide bis stellenweise herzzerreißend. Sie kämpft. Und das nimmt man ihr ab.
Brad Pitt: Ein genialer Blick. Ein sehr verschrobener Charakter. Er ist für viele der lässigen Sprüche und “coolen Szenen” im Film zuständig. Und bedient diese gut. Ohne Megastaralluren.
August Diehl mochte ich, in seiner großen Szene. Ich finde, er ist ein sehr, sehr überzeugender Darsteller. Manch einem ist er sicherlich aus 23 ein Begriff, wo er den deutschen Hacker Karl Koch spielte.
Sylvester Groth spielt zum zweiten Mal Göbbels. Gut gemacht, solide. Mit einigen schönen kleinen Macken.
Schwachstelle: Martin Wuttke als Hitler. Ich mochte die Rolle nicht. Er hat zum Glück wenig Screentime. Leider ist er dauercholerisch, so dass er dermaßen übertrieben wirkt, dass es nicht mal Hitler ziemt (ohweh, wie das klingt).
Dem tarantinoaffinen Zuschauer fällt direkt die Unterteilung in Kapiteln ein, die an die Situations aus Pulp Fiction erinnern und den Film vernünftig aufgliedern. Übrigens ist dieses Werk 160 Minuten lang. Er kam uns vor wie ein sehr kompakter, nie langweiliger 100 Minüter. Die Zeit flog nur so dahin und ich war noch Stunden später in dem Film gefangen. Lustigerweise habe ich das Gefühl, dass ich den Film schon 100 Mal gesehen hab, da mir die Charaktere dermaßen plastisch und authentisch vor kamen. Ich könnte zu jeden von ihnen einen eigenen Artikel schreiben. Ich weiß auch gar nicht, was ich noch alles zu dem Film schreiben soll. Es gäb noch tausend Sachen. Mir gefiel übrigens die Aschenputtel-Szene sehr gut. Aber seht selbst, seht selbst. Ich gebe dem Film – und das ist selten: Auf meiner Skala 10 von 10 möglichen Punkten.
So.
Außerdem mach ich mit diesem kleinen Review bei einem netten Gewinnspiel mit und zwar hier

Das klingt doch ausgezeichnet. Werde ihn mir in den nächsten Tagen auch ansehen
Heute und morgen läuft im Siegener Cinestar Sunshine Cleaning. Schnapp dir mal Laura und Hannah und guckt euch diesen großartigen Film an, bitte. Worum es geht, steht auch hier: http://thestiller.de/?p=154
Hmmmm. Skeptisch war ich, skeptisch bleibe ich. Aber hübscher Artikel.
http://www.vgcats.com/comics/images/090901.jpg (ohne worte)
nachtrag, für die dies nicht kennen:
http://www.youtube.com/watch?v=_eaE-_GDbmQ&feature=related
Ein genialer Film. Tarantino hat wieder einen klasse Film gemacht. Ich kann ihn nur weiter empfeheln.