Monat: Oktober, 2009

Nein, es gibt keine neue Steuer. Aber ich mochte das Wort gerade. Also keinen Grund die Polemikkeule gegen steuerwütige Politiker zu schwingen. Aber jemand anderes, der Tag für Tag handfeste Beweise liefert, will gerne mal ausgelacht – bestenfalls ignoriert – werden.
Die ProSiebenSat.1 Media Group zieht nun in Betracht bis 2014 30% ihrer Einnahmen außerhalb der Werbung zu machen. Bisher sind es knapp 15%. Woher also nehmen? Gebühr! Die Sender mit dem besten Programm[1. Spiegelt nicht zwingend die Meinung des Autors wider] wollen bald dem Zuschauer – ähnlich der GEZ, nur freiwilliger – ans Säckel. Zu erst mit Video-On-Demand und Payperview-Konzepten. Aber sukzessive wird eine Gebühr für die Sender Sat.1 ProSieben und Kabel 1 angestrebt.
Mal ganz ehrlich? Natürlich liegen die Sender, beim derzeitigen Rückgang von Werbungseinnahmen, ziemlich auf dem Trockenen, da sonnen sie sich zur Zeit wohl auch mit ein paar großen roten Zahlen. Aber wird das helfen? In Zukunft für das herausragende TV-Programm zu bezahlen…Ich bin mir nicht sicher, ob das aufgehen wird. Ich will ja nicht katholischer tun, als ich bin. Auch ich gucke “Assi-TV” ganz gerne mal. Es macht einfach Spaß und lässt den eigenen Alltag so unendlich kultiviert erscheinen, dass es einem den Bauch nur so pinselt. Aber dafür zahlen? Ich denke nein.

“Die Richtung ist für uns klar: Wir müssen vom Werbemarkt unabhängiger werden”
Thomas Ebeling, Vorstandsvorsitzende von ProSiebenSat.1

Na dann, viel Erfolg damit.
Quelle: Spiegel

Soo, damit platsche ich dann wieder in die Web2.0-Patsche. Aber schon fast aus wissenschaftlichem Antrieb. Ich will tatsächlich über die Vorgänge in den “Social Medias” lernen, begreifen, wie die Dynamiken in diesem usergenerierten Content fließen, aufkeimen und sich pandemisch ausbreiten. Dafür hab ich angefangen zu twittern. Ich erstellte einfach einen Account, mit dem Benutzernamen Polaroidmedchen und schrieb drauf los. Die ersten knapp 10 “Microblogposts” sind nun draußen. Noch hab ich nicht so viel beobachten können, muss mein Netzwerk erst noch ausbreiten.
Ich hab allerdings schon eine Integration ins WordPress gemacht, eine bidirektionale Assoziation[1. beidseitige, direkte Verlinkung von Inhalten] zwischen den beiden Systemen. Die aktuellen Tweets werden in der Sidebar rechts angezeigt. Sobald ich hier was Neues poste erscheint es auf Twitter (die dabei logischerweise entstehende Datenredundanz versuch ich noch zu beheben), man müsste mir also theoretisch nur auf einer Seite folgen, um das ganze Chaos mit zu bekommen. ;)
Also, an alle, die wild zwitschern – folgt mir! Polaroidmedchen auf Twitter

Diese Runde hab ich wieder etwas früher daran gedacht mitzumachen. Vermutlich, weil es eine tolle  Ablenkung ist. Musik hören und bewerten ist so viel schöner als lernen.. (:


Red – Already Over (von Konna)
Ziemlich schön eigentlich. Den Wechsel zwischen “ruhig” und etwas lauter mag ich, ist nichts außergewöhnliches aber halt ganz schön. Die Band hat die unglaublich emotionalen Bewegungen und Gesichtsausdrücke drauf die man heutzutage wohl braucht um als Rockband über die Runden zu kommen. (na great! : D) Geschminkt sind sie auch, oder? Hart.
Das Lied würde aber in meine Wintermusikplaylists passen.  3

Daniel Wirtz – Wo ich steh (von Tapedeck)
“Daniel du Vollhomo! [...]”
“Ey du Wurst, wer bist denn du? [...]”
Jaaaaa nein. Wenn ich den Text ignorieren würde dann fänd ichs glaub ich ganz gut. Seine Stimme und die Musik mag ich nämlich schon und gegen deutsche Songs hab ich auch ganz und gar nichts. Aber puuh, “Ich bin der Pitbull du der Pudel”/ “Scheißtyp, Scheißtyp, Digger”. Da wollte jemand ziemlich cool klingen.. 2

Reinhard Mey – Ein Stück Musik von Hand gemacht (live) (von Stefan)
Haha. Ich muss zuerst zugeben, dass ich es beim zweiten mal hören mitgesungen hab. Und lachen musste ich teilweise auch. Gut find ichs deswegen trotzdem nicht. Ist und wird nie Musik für mich sein. Länger könnte ich sowas nicht hören ohne aggressiv zu werden. 1,5

Bromheads Jacket – Fight Music for the Fight (von Kamil)
Arctic Monkeys! Nicht? Achso, ja gut, wenn er anfängt zu singen merkt man, dass dem nicht so ist. Aber die ersten Sekunden.. da hätte ich jedem -der behauptet es wären die Monkeys- geglaubt.
Na na nana na na nananana! Great. Mag ich, werde ich mir wohl noch mehr von anhören. 5

Utada Hikaru – Sanctuary (von Melli)
Hört sich an wie die chinesische (japanische? ..?), billige Version von Avril Lavigne. 1

“Njo und dann war ich eben noch beim Chicken-Mann gewesen.”, verkündet das blondierte Mädchen (ja, sie trägt kein e in ihrer gegenderten Bezeichnung. Das hat ästhetische Gründe und ist dem guten Geschmack des Autors zu zu schreiben) vor mir in der Kauflandschlange. Ohne Vorurteile schüren zu wollen, kommt sie wohl aus einer, wie man wohl korrekterweise sagt, bildungsferneren Schicht. Dies ist zumindest aus ihrem Gebären, Auftreten und – herrgottja[1. Manchmal bin ich oberflächlich.] – ihrem etwas prostitutionsaffinem Äußeren zu interpolieren, wenn man so ein schlechter Mensch ist, wie ich es einer bin.
Nun, warum gebe ich mir die Blöße über diese junge Dame so her zu ziehen? Es liegt nicht daran, dass sie sich äußerst ungesund bei der Geflügelfrittierfranchisekette “Favourite” den Magen voll schlug. Das ist quasi Pflicht und dagegen kann ich nicht wettern, allein schon weil der Chickenmann in mitten dessen liegt, was euphemistische Zungen salomonisch das Siegener Nachtleben nennen. Nach einem gepflegten Umtrunk, während einer Nacht, die durchtanzt werden will, gibt es kaum was besseres als die schnelle, unkomplizierte Nahrungsaufnahme beim Chickenmann in Siegen. Ein Rappa. Ein “Fillet of Fire” oder eins der 11 “Top-Ten-Produckte”. Ich schweife ab. Was die junge Dame – in meinen bescheidenen Augen – falsch macht, ist ganz einfach die zweifelhafte Verwendung eines rar gewordenen Phänomens unserer wunderhübschen Sprache. Das Plusquamperfekt. Zeit der Ahnen, Vorvergangenheit, Großvater des Perfekts, Uropa der Gegenwart. Du warst nicht eben. Du warst vor Monaten. Eventuell vor Wochen, aber nicht vor 20 Minuten und schon gar nicht ohne Referenz im Perfekt. Ich frage mich also – wieder mal nicht zu unrecht, wie ich mir einrede -  warum man diese Form so zwanghaft und neuerdings[1. So neu ist das Ganze nicht, aber ich blogge ja gerade erst drüber!] exzessiv auslutscht. Gab es ein wichtiges Ereignis, welches ich verpasste, bevor das Plusquamperfekt wieder in geworden war. Selbst das funktioniert nicht und klingt äußerst falsch. Bevor ich geboren worden war, gab es dieses schreckliche Unglück in Tschernobyl. Das funktioniert (und erklärt eventuell das ein oder andere). Zurück also zur Frage? Einfach weil es so schmandig dahingeklatscht klingt? Eventuell täuscht man so auch etwas hochtrabendes vor. Hochdeutsch zum Beispiel, diese mysteriöse Kunst der alten Meister, von der manchmal hinter vorgehaltener Hand gesprochen wird. Eins ist sicher: Die große inzestuöse, aber debilglücklich grinsende Familie der Sprachvergewaltigungen hat sich wieder mal Nachwuchs gegönnt.

In Wien geht nun auch der Kampf los, der seit einigen Jahren an deutschen Unis mehr oder weniger (mehr weniger) erfolgreich gefochten wird. Man wehrt sich gegen die Auswirkungen des Bologna-Prozesses und die Einführung von Zulassungsbeschränkungen und Studiengebühren. Dazu wurde heute Vormittag (und so ist es zur Zeit auch noch der Fall) das Auditorium Maximum der Universität Wien von Studierenden besetzt.

Nachdem am Donnerstag mehrere hundert Studenten den größten Hörsaal der Uni Wien besetzt haben, hat die Polizei kurzfristig den Zugang zum Auditorium Maximum am Nachmittag abgeriegelt. Die Studenten, die gegen den Bildungsabbau protestieren, durften den Hörsaal nur mehr verlassen. Um etwa 17 Uhr wurden die Beamten wieder abgezogen. Grund: Der Vizerektor der Universität Wien, Johann Jurenitsch hat entschieden, dass das Audimax zum jetzigen Zeitpunkt nicht geräumt werden soll.
Quelle

Die Polizei spricht hier von 300-400 Demonstranten, diese selbst geben sich mit 1000 Personen zuversichtlich, die Wahrheit wird wohl – wie immer – irgendwo dazwischen liegen. Das ganze geht sowohl von Studenten der Uni Wien selbst, als auch von Kunststudenten der Akademie der bildenden Künste aus und zog sich als Demonstrationswurm von eben jener durch die Stadt bis hin zum Rektorat.
Tja und als deutscher Student? Steht man da mit etwas Wehmut. Man hat sich an die Studiengebühren gewöhnt, auch wenn immer wieder ein Aufzucken durch den fast leblosen Leib der Studiengebührgegnerschaft geht. Und die Auswirkungen des Bologna-Prozesses, sprich die Bachelorisierung? Die ist voll angekommen. Als Lehrämtler habe ich davon in Siegen noch nichts gemerkt (erst ab 2011 wird wohl der Ba/Ma of Education eingeführt). Als Studierender der Medienwissenschaften werde ich nun an die Hand genommen und durch meine 6 Semester durchgeprügelt. Und ja, was soll ich auch anderes machen? Ich wünsch euch viel Erfolg in Wien… ;) Von ganzem Studentenherzen.