Monat: Dezember, 2009

“Shutterspeed[1. Wie oft/schnell sich die Klappe vorm Sensor öffnet] auf 50 und den Gain[2. digitale Methode zur Bildaufhellung] noch ein paar dB hoch.”
“Meinst du nicht, dass wir nochmal nen Weißabgleich[3. bei versch. Lichttemperaturen die Kamera auf "Weiß" eichen] machen sollten?”
“Pack sie erstmal wieder aufs Stativ!”
“Wir machen das per Hand, hier ist gar kein Platz für nen Stativ”

So oder so ähnlich klingt es, wenn eine engagierte Gruppe von Medienwissenschaftserstsemestern (ich wollte mir doch diese Bandwurmworte (noch eins) abgewöhnen; weniger Klammern wollt ich auch machen. Herje.) sich an einer Kamera und einem 1-1:30min Kurzfilm zum Thema “Menschen bei der Arbeit”. Die ProTec[4. Produktionstechniken]-Gruppe 7, in der ich eines von vier Mitgliedern bin, begab sich zu diesem Zwecke am letzten Mittwoch ins modulbüro in die Siegener Oberstadt. Wir filmten dort also knapp 20-25 Minuten Material. Wir stellten ein Kundengespräch mit einem Architekten, der auch noch ein wunderschönes Logo entworfen bekam, um den Synergiegedanken des Büros zu kommunizieren. Großartig! Da wir auf Ton verzichten sollten, nutzten wir zur Interaktion A4-Kopierpapier und einen Edding 800 (der ist dick.). Also reichten sich Kunde und Anbieter immer ihre Gedanken auf Papier rüber. Sieht ganz putzig aus.
Nunja, diese Woche geht es auf jeden Fall in den Schnittraum und das ganze Werk wird auf 1:30min getrimmt, geschnitten und mit ein paar güldenen Effekten versehen, z.B. sind einige Kamerafahrten (die wir professionell auf einem Bürostuhl abdrehten) dabei, die wir wohl in einem stylischen Zeitraffer darstellen werden, der dynamisch in Echtzeit zurückgeht. Soweit ich das gesehen hab, kann man im Final Cut Pro ganz schöne Geschwindigkeitskurven anlegen. Ich mag ja solches Spielzeug. Und davon krieg ich jetzt ganz viel. Und das Schöne? Ich MUSS es machen. Sonst besteh ich meine Scheinanforderungen nicht. Ist das nicht toll? Hach.

Naja, so langsam schwappt die Welle dann auch auf mich über. Allem Stress zum Trotze und meine Arbeit nicht beachtend: Es kommt langsam Weihnachtsstimmung auf. Knackig-kalt wird es draußen, der Nachbar von gegenüber hat seine Ampel Weihnachtsbeleuchtung heraus geholt und die blinkt mir jetzt fröhlich ins Zimmer. Es stört mich nicht mal wirklich. Mir wär sogar lieber, wenn die ganzen Nachbarn jetzt mal nachziehen, damit das Bild homogener wird. Denn auch ich hab meinen Teil dazu beigetragen und hab das Medchen mit fancy Weihnachtsstuff behangen. Heute abend gehts auf den Weihnachtsmarkt; gebrannte Mandeln, Glühwein, Crepes mit Nutella, all das ruft. Und ich freu mich drauf.
Bin kein großer Freund von Spekulatius im September, auch wenn Spekulatius und Lebkuchen echt lecker sind. Aber jetzt, wo es so auf den 2. Advent losgallopiert, da komm auch ich langsam in Weihnachtsstimmung und ich muss zugeben, dass ich Weihnachtsjunkie bin. Wenn ich einmal drin bin. Ich mag einfach Kitsch.

Und wir schafften es. Wir sind in der vom Meinungs-Blog veranstalteten Umfrage zum weltbesten Blogartikel in der Top Zehn gelandet. Zur Erinnerung: Es ging um meinen Artikel mit der treffenden Überschrift Apathie.

Jetzt ist es an euch, für mich zu voten. Looos los los. Gebt Alles und hievt mich zumindest unter die besten fünfe. Ich danke euch!

Ich exhumiere nochmal altes Textwerk. Hab den letzten Satz der ursprünglichen Fassung gestrichen, weil er mir gegen den Strich ging. Wer ihn errät, gewinnt den Emopreis am purpurnen Band (mit Kirschen und Totenköpfen aaawe cuuutey ayh! </3). So gefällt mir der Text aber sinnmäßig wiederum ganz gut.

Als ich aus dem Aufzug ausstieg erwartete ich noch die Unterwäscheabteilung. Als sich das gebürstete Metal vor mir jedoch nahezu lautlos zweiteilte erblickte ich einen Dschungel. Begierig auf neue Erfahrungen lies ich mich nicht daran hindern die Liftmusik hinter mir zu lassen und Muzak gegen Kakadu zu tauschen. Meine Ohren dankten es mir.
Mir war heiß, es war drückend. Ich war nicht ausreichend akklimatisiert. Dritter Stock Sportwaren und Spielzeuge, vierter Stock grüne Hölle. Das ging viel zu schnell. Ich übergab mich in einen kleinen Busch. Sofort sprossen wilde Blüten in allen erdenklichen PopArt-Farben aus ihm hervor. Das entzückte mich. Es schien sowieso ein sehr bezaubernder Ort zu sein, den ich hier gefunden hatte. Und nur, weil die Rolltreppe außer Betrieb war.
Ich betrat den Trampelpfad und schlenderte dahin. Ignorierte Schlingpflanzen, die meinen Gang für ein paar Meter bremsten und vergaß um die Gefahr giftiger Insekten und sonstigem Getier. Ein Tümpel, ich hatte Durst. Die zehn Minuten Fußweg hatten bei dieser Luftfeuchtigkeit eine enorme Wirkung auf den natürlichen Kühlungsmechanismus meines Körpers. Ich schwitzte sehr stark. Zum Glück war dies kein öffentlicher Kaufhausdschungel. Ein kühlender Schluck aus der perlenden Quelle würde meinem Körper gut tun. Diese Temperaturen waren wirklich unwirtlich, unmenschlich.
So stehe ich nun vor dem flachen Gewässer, gehe auf meine Knie und ignoriere die braunen Flecken von weichem Humus auf den Knieflächen meiner Jeans. Ich bilde einen Hohlraum mit meinen Händen und schöpfe aus dem niedrigen Quellwasser. Falle vornerüber und ertrinke. Es ist der Wahnsinn. Alles ist blaukalt und es interessiert mich nicht. Ich falle gerade. Ich kann atmen. Um mich ist Wasser und ich bleibe ganz ruhig. An mir rauschen spitzkantige Felsen und gefährlich aussehende Tiefseebewohner vorbei. Esoterische Laternen tragen sie, versprühen kümmerliches Licht in abstrusen Farben. Es widert mich an. In solchen Momenten sollte man die Klappe halten können und das Licht ausmachen. Das gehört sich so, obwohl ich den Satz “das gehört sich so” hasse. Es riecht nach Räucherstäbchen und ich schließe meine Augen. Es ist wie fünf Minuten Orgasmus. Im Kopf. So muss sich Erleuchtung an fühlen. Ich werde gereinigt. Das kühle Quellwasser hat mich gefressen, es filtert meine Zellen, reinigt mich. Kühlt mich. Erfrischt mich. Azurblau beruhigt meine Gedanken und Gefühle. Es tut sehr gut. Es ist wie Alkohol. Bevor man betrunken ist und es einem schlecht geht. Und dieses Mal flieg ich auch wirklich. Naja ich gehe unter, aber dass ist hier relativ egal. Ich glaub ich find es schön. Aber was ist das für ein Gefühl? Seichte Ruhe mit einem Donnerschlag. [...]