“Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für das Auge unsichtbar!”
Antoine de Saint-Exupéry
Dieses Zitat eines französischen Piloten, dessen Namen ich nicht mal im Ansatz korrekt aussprechen zu wage[1. eigentlich heißt er sogar Antoine Marie Roger Vicomte de Saint-Exupéry, was die Sache nur unnötig weiter verkompliziert], ist uns allen bekannt. Uns allen, die wir unseren besten Freunden bekannt sind, wir die es schwer finden uns selbst zu beschreiben…Das Web 2.0, Pestbeule der modernen Kommunikation, aufbrechendes Geschwür was uns immer wieder zuverlässig mit sozialem Eiter versorgt, gepriesen seist du, für eine neue Welt von Individualisten. Menschen, die so individuell sind, dass sie nur mit dem Herzen gut sehen. Tritt man mit der Frage an uns heran, “Sag doch mal was über dich”, dann finden wir keine Worte; es ist so schwer, sich selbst zu beschreiben. Wir sind zwar aufgeklärt und klug und Party ist wichtig, aber eigentlich sind wir ja ach so tiefgründig und man kann so gut mit uns reden und sich immer auf uns verlassen, aber Selbstreflektion? Die liegt uns einfach nicht so. Meine Freunde wissen doch wie ich wirklich bin und das reicht doch auch. Was andere von mir denken, da scheiße ich drauf.
Wir schmücken uns mit Worten großer Dichter – ohne sie zu verstehen, verzieren unsere Profile mit großen Tönen – ohne auch nur selbst einen aus der Kehle zu krächzen, der nicht nach toter Robbe klingt. Wir schmeißen mit Einsteinzitaten um uns, als wäre es Konfetti, gestanzt aus dem Millimeterpapier, dessen Graphen wir nie verstehen werden. Wir sind es, die Generation der superempathischen, mit den großen Freundeskreisen, die, die nicht mehr von der Liebe verarscht werden. Wir sind der Eine. Der Eine, der an jedem Tag säuft, der auf -tag endet. Und mittwochs auch. Wir sind die, die danach streben reich und berühmt zu werden, wir haben ja auch so viele Vorbilder, die so lecker riechen. Supererfolgreich und Superparty, wir können das. Wir haben einen IQ-Test gemacht, das Ergebnis war dreistellig und die ersten beiden Ziffern unser Alter bei unserem ersten Geschlechtsverkehr. Wir sind rundum perfekt und einzigartig. Wir sind diejenigen, die “eigentlich Alles” hören, wenn man uns nach Musik fragt Und die, die Sex neu definieren, in seiner Schmutzigkeit; unsere Lieblingsbücher sind handverlesen und exklusiv. Harry Potter, Herr der Ringe und Twilight. Das sind richtig dicke Bücher und die haben viele Seiten. Wir haben die nämlich gelesen, müsst ihr wissen.
Und wenn ihr euch schon so schmutzig-voyeuristisch[2. Nein, wir sind nicht exhibitionistisch] auf unserem Profil rumtreibt. Übrigens: Guckt doch mal in das Album “Me, myself and I” oder in “Just me” oder lakonisch “Ich.”, da findet ihr Bilder von uns, die hat ein Freund in Photoshop verunstaltet bearbeitet, die sehen gut aus und nachdenklich und unglaublich PinUp-sexy und sind Kunst; ja, Kunst! Wir sind Künstler! Wir schreiben, wir sind Musiker, Regisseure, Dichter, Maler. Prosumer. Prosumer, das sind wir.
Eine ganze Generation mit Schöpfungs- und Rededrang. Wir haben der Welt was zu sagen. Wir haben auch Meinungen: Fuck Globalizationcommunismnazi, against TierversuchemassentierhaltungistHOLOCAUST, Punk IS dead und Kinderschänder verdienen die Todesstrafe. Wir brüllen es in die Welt hinaus, wir wollen doch nur einzigartig sein, wir haben Profile in jeder Community, da könnt ihr nachgucken, wie groß unser eFreunde-Pimmel ist und wie sehr ihr dagegen abstinkt. Mein Freundeskreis ist größer als deiner. Und wenn mein Kind HipHop hört kommts ins Heim. Wir sind total crazy und durchgeknallt. Mit uns kann man Pferde stehlen. Wir sind nicht typisch. Wir bloggen.

Hey, ich bin nicht nur individuell, weil ich blogge. Ich bins auch, weil ich Chucks trage, ha. Das kannst du nicht von dir behaupten :> Und ich könnte ganz viel über mich sagen, wenn jemand den Satz “Sag doch mal was über dich” raushauen würde.
Auch, wenn seit den 68ern ein stetiges Wachsen des Individualisierungsprozesses stattgefunden hat, sollte man nicht außer Acht lassen, dass .. naja, dass das irgendwie gar nicht so wichtig ist, ne? : ) Ich käm auch gut damit klar, einer von vielen zu sein.
ich könnte auch viel über mich sagen =D sowohl negatives als auch positives =P
guter text. und ich hab mir dich grade beim Poetryslam vorgestellt. wie du das vorträgst.
ich hab nur ein problem mit dem text, und zwar, dass ich das wort “Eiter” so ekelhaft finde, dass es mir schon schwerfällt es nur zu denken. ist komisch, wo ich doch gegen das zeug an sich nichts habe und liebend gern pickel ausquetsche =P
Wartet mal unsere evtl kommende Videoantwort ab. Gleich wenn mein Mitbesetzer hier aufgewacht ist, liegt die Idee auf dem Schreibtisch, wieder nachdem wir unser Winterschutzbunkerprojekt abgeschlossen haben.
An und für sich muss ich sagen ist der Text einfach wahr. <- Punkt.
Ajoa,stimmt schonalles^^ und wie ich dir gesagt hatte chris,hab ich gestern was ganz ähnliches gedacht,vielleicht schreib ichs mal nieder und du lässt mich nen gastbeitrag machen?
@Hannah: Dann nimm dich von dem Text aus


@kasumi: Es sollte auch Ekel erzeugen. Hat doch gut geklappt.
@Munki: Legt los! Ich bin gespannt
@Arne: Tu das
Uiuiui, Arne becomes a Blogger
Ich werde zählen, wie oft das Wort “als” vorkommt.
Glaub ich werds nur ganz normal verwenden^^
und nee,wird nurmal Gastmässig,ich wär zum regelmässigen bloggen viel zu faul
^^
Ich finde deinen Beitrag sehr polemisch: Du greifst Dinge auf, die bestimmt bei vielen Profilen/ Leuten/ was auch immer zutreffend sind. Aber ich finde ihn doof: Er ist so gezielt dagegen. Gegen Selbstdarstellung und was weiß ich. Dabei gehört es doch mittlerweile dazu und hat nicht immer was mit Brüsten, Angeberei, Prahlerei, was auch immer zu tun. Um es mal so zu sagen: Dein Artikel ist mir zu “emo”, zu sehr auf web 2.0 ist schei…, die Menschen sind alles nur narzistische Selbstdarsteller, etc.
)
Jaa, jetzt sagen vll viele, ich würde mich angesprochen fühlen, weil ich kritisiere. Ist aber nicht so: Nur ich habe auch sehr gerne Twilight, Harry Potter und co gelesen. Aber doch nicht zum angeben, sondern weil es mich (egal wie trivial) begeistert und vor allem unterhalten hat. Wieso sollte ich das meinen Mitmenschen nicht mitteilen? hat doch nichts mit Angeberei und Profilneurose oder sonst was zu tun. Und dein Zitat, ist eines meiner absoluten Lieblingszitate. Weil es den Kern trifft. Nicht weil ich mich gerne mit Worten großartiger Leute mit komplizierten Namen schmücke.
Aber vll habe ich deinen Blog auch einfach falsch verstanden
♥ (Ja, das ist alles, was bei meinen laaangen Überlegungen raus kam. Eigentlich sollte es ein “SuPeR TeXt ShAdZy, NeVa WaNna LoZe Ya, KnUtScHa” werden, kannste dir aber bestimmt auch so denken.
)
Hehe. Ich habe seit ein paar Jahren in meinem Neon-Profil als ‘vom Leben gelernt’ folgenden Satz stehen: “Bildergalerien namens “Me, Myself & I” sind so kreativ wie Arschgeweihe.” Gut, hätte ich kreativer formulieren können, aber da musste ich eben schon schmunzeln, als ich deinen Text gelesen habe.
[...] darum geht es ja gar nicht. Es geht um diesen Beitrag, den ich las und .. ja, erstmal dachte ich mir: Wow, oke, ja klar, hast du völlig Recht. [...]
Beziehst du dich bei dieser Polemisiererei eigentlich mit ein? Ich frag nur, weil du ja auch ein Blogger bist…
Ich werde heute oder morgen zu den teils kritischen Kommentaren, die mich sehr freuen, hier und auch auf anderen Blogs Stellung nehmen