Irgendwie wollt ihr es doch auch. Den Nachschlag auf meinen Anschlag von vor ein paar Tagen. Ich hab eine kleine Flutwelle losplätschern lassen, die ihren Höhepunkt auf aHeadwork fand und dort eine Individualitätsdebatte vom Zaun brach. Im Zuge dessen, musste ich als Webmarschall zur See die Kommentarspalte verbreitern. Also kann ich das ganze nicht ungesühnt lassen.
Zuerst einmal sei gesagt, dass ich keinen Millimeter von dem abrücken werde, was ich sagte. Oder sagen wollte. Das ist Punkt 2. Der Text entstand in relativ kurzer Zeit und wurde ohne Gegenkorrektur einfach mal rausgehauen, weil er mir gerade gefiel und das ausdrückte, was ich sagen wollte. Ich checkte ihn – ehrlich wie ich bin, geb ich das gerne zu :> – nicht dahingehend, dass er vielleicht missverständlich ist, wenn man meine Intention nicht im Hinterkopf hat. Das war dumm von mir. Dafür haben mir eure Reaktionen große Freude bereitet. Bin also gar nicht soo böse drum.
Was lief also schief?
- Mein Beitrag wurde als Kritik an der Profilierung und der Selbstdarstellung im Web 2.0 allgemein angesehen.
- Ich nutzte populäre Beispiele, wie Harry Potter.
- Ich schrieb provokativ und so, dass es einige Menschen als sehr polemisch auffassten
- Man ging davon aus, dass ich mit dem entblößten Zeigefinger rumrenne und nur anprangere
Und, Chris, wie war es wirklich?
- Dazu mehr unten
- Das stößt auf. Das tut den Fans weh. Sie fühlen sich in eine Ecke gedrängt. Und wenn man in einer Ecke steht, dann wird man hospitalistisch oder schnappt zu. Ich hab auch gerne Harry Potter gelesen. Ich betrank mich auch schon. Darum geht es doch gar nicht. Aber dazu, wie versprochen, unten mehr
- Ganz einfache Sache. Klappte. Ihr habt drüber nachgedacht und euch angegriffen gefühlt. Und zack – es setzte ein Reflektionsprozess ein. Zugegebenermaßen ein billiger Trick, aber das ist das 3d-Kino auch und ihr mögt es alle.
- Alsooo das ist eigentlich der lustigste Punkt. Ich schrieb in der 1. Person Plural, ich beendete mit “Wir bloggen”. Jetzt stellt sich natürlich die große Frage, schließ ich mich da selbst mit aus? Ich lasse sie mal offen
Nun spann mich nicht auf die Folter, was wolltest du denn nun?
Wie gesagt, es ging nicht um die Selbstinszenierung an sich. Sondern um die Bricollage, die man sich aus den Fetzen zusammensucht, die bereits existieren. Natürlich macht man das in Echt auch. Wie die bei Hannah erwähnten modischen Symboliken. Oder Körperkunst. Oder eine spezielle Lexik. Aber hier werden stumpf Meinungen und Charakterzüge kopiert. Egal ob sie zutreffen oder nicht. Einfach um zu blenden. Letztendlich fasst ein Stiller perfekt zusammen, was ich ausdrücken wollte. Leider nicht auf meinem Blog, sondern auf Hannahs, aber ich bin mal so frei, diesen Beitrag hier zu veröffentlichen. Denn er spricht genau diese Strg+Charaktere an, die ich mit meinem Beitrag meinte. Von denen ich auch einer bin. Im geringeren Ausmaße als bei anderen, wenn ich das behaupten kann. Aber ja – auch ich gehöre dazu. Und ich versuchs zu reduzieren.
Das ist schon alles.
Ich weiß gerade weder, ob es zum Thema passt oder ob diese nächsten Zeilen Sinn machen werden. Also, meiner Meinung nach, hat in dieser Zeit des Pseudoindividualismus, in der “Ich glühe härter vor als du Party machst”-Gruppen und Chucks an jeder Ecke vorkommen, auch einen großen Vorteil. Man beschäftigt sich wieder mit den Menschen.Man will sehen, ob sie wirklich sind, wie sie vorgeben zu sein. Springen sie nur auf irgendeine Indie-Emo-Tekker-whatver-gerade-in-ist-Welle auf oder waren sie vorher schon so, werden sie der Sache treu bleiben, wenn sie nicht mehr en vogue ist. Das kann man auch relativ leicht herausfinden. Und dann ist der individuell, der ernst meint, was er trägt, was er sagt, in welchen Gruppen er ist. Oder sagen wir es mit einem anderen, einfacheren und schöneren Wort: echt.
Stiller
