Studenten der Uni Siegen haben es schon erkannt. Wir befinden uns auf dem Campus eben jener Uni. Also mit dem Titelbild, ihr versteht. Studierende anderer Universitäten und andere “vom Fach” erkennen vielleicht auch die Person, deren Büste vor dem Eingang des Hauptgebäudes der Uni Siegen steht. Es ist Dwayne “The Rock” Johnson.
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Ein guter Freund des berühmten Wrestlers Adolph “The Educator” Diesterweg. Nun, aber Spaß beiseite. Eigentlich geht es ja nur darum, dass es jetzt hier ums Studium respektive die Uni gehen soll. Deshalb der Kopf vom alten Diesterweg. Und warum er so dekorativ seinen Oberaugenbüschel anhebt, das erfahren wir weiter unten.

Eigentlich könnnte ich (und das ist jetzt die dritte Einleitung für diesen vermaledeiten Text, gleich gehts aber wirklich los) so langsam eine Blogparade mit “Christian macht sich unbeliebt” auf machen. Aber ich scheue auch einen weiteren Versuch nicht und weiß, dass ich wieder ganz viel Kontra ernten werde, aber das hier brennt mir einfach schon zu lange unter den Fingern. Genau genommen 2,5 Jahre oder, wenn man denn so rechnet, fünf Semester. Denn so lange studier ich inzwischen. Hab schon Kommilitonen in mind. sechs Fachbereichen gehabt; kann mich persönlich also als durchaus interdisziplinär bezeichnen. Da, meine Freundin wird einen Fluch davon äh..fluchen können, ich von Natur aus eher der beobachtende Typ bin, ist mir auch nicht entgangen, mit wem ich es so da zu tun hatte. Und eine Spezies ist darunter, um die soll es heute gehen.

Es ist die sehr modebewusste, junge Studentin, die sich für sehr emanzipiert hält. Ich muss jetzt von einer wackeligen Prämisse ausgehen, welche wie folgt aussieht: “Wäre ich kein fauler Student”. So, das ist natürlich schwer zu halten, aber dafür haben wir ja den Konjunktiv und meine ausgeprägte Phantasie. Also stellen wir uns einen Moment vor, ich wäre kein fauler Student. Ich wäre immer bei jeder Veranstaltung. Und ich wäre vorbereitet. Ich hätte Skripte dabei. Vorzugsweise in Ordnern. Ich hätte was zu trinken dabei, einen Block, mein Netbook, eventuell eine Kleinigkeit zu essen und viel Schreibzeug. Dafür nähm ich einen Rucksack. Da passt alles schön rein und geht nich kaputt (so mach ichs tatsächlich, ganz so faul bin ich ja nicht). Der sieht okay aus. Zumindest okayener als zwei Lidltüten. Aber vor allem erfüllt er den Hauptzweck, wenn ich 6-8 Stunden am Tag studiere: Er ist praktisch.

Jetzt stellen wir uns die selbe Situation mit einer Handtasche vor: … Seid ihr soweit? Gut. Aber wir machen weiter. Denn zu so einem Accessoire, das sagt schon der Name, gehört natürlich der gebührende Auftritt. Wenn man also mit der unpraktischen Tasche nicht punkten kann, dann wenigstens optisch. Irgendwann in den 90ern muss es wohl in geworden sein, dass die klassische Studentin, die ich als kleiner Steppkes immer verehrt hab, langsam abgelöst wurde, von der auf Erfolg gestylten Anfangzwanzigerin mit ihrer Handtasche und der Schminksession, statt lang zu schlafen und im Kapuzenpulli zur Uni zu erscheinen, mit einem Rucksack voll mit dem Kram..naja, den man halt so braucht. Sowohl als Studierender, als auch als Frau. Man steht eine Stunde früher auf. Man styled sich für die Uni. Uni gibt es nicht ungeschminkt. Das kleine Ökomedchen findet sich bestenfalls noch verlacht als Alteisen im ehemaligen ISPA-Magister-Studiengang und gammelt im 16. Semester. Die Hochschule wird zum Trendplatz, zum Laufsteg. Ich sitze morgens um 8, bei der Einführung ins Mittelhochdeutsche in einem Raum mit 60 Menschen, der für 30 Menschen konzipiert ist. Und statt gemütlichen Studenten, die kaffeschlürfend Zigaretten drehen (ich brings mal wieder auf ein polemisches Level) seh ich Handtäschen über Stühlen hängend, Stiefel über Jeans. Der schwere Duft 40 verschiedener Parfüms legte sich innerhalb von fünf Minuten in diesen Raum. Hoffentlich kommt keiner auf die Idee, eine Kippe anzumachen. Die Luft ist schwanger.

Man schminkt in der Uni nach. Man legt sich Outfits zusammen. Man verzichtet aus optischen Gründen auf überflüssige Dinge wie Schreibmaterialien. Schon mal probiert nen A4 Block in eine normale Handtasche zu stopfen? Zweihundertzehnmalzweihundersiebenundneunzig Millimeter. Tödlich. Doch da ist sie wieder. Ich höre sie kommen. In meinem Nacken. Im Gang über mir. Rechts neben mir. Und wenn ich mich konzentriere, die Augen schließe und das Wirrwarr in meinem Ohr voneinander trenne, Fourier-Transformation im Kopf, dann hör ich sie überall, wie eine Armee, die nur darauf wartet, den Feind einzustampfen. Szenenwechsel.

Ich sitze in der Unibibliothek. Meinen Mantel, meinen Rucksack musste ich draußen abgeben. Es herrscht Schweigepflicht. Man wird irgendwann freundlich des Raumes verwiesen, wenn man zu laut ist. Wenn der Kühler des Laptops z.B. verstaubt ist. Oder der Tastaturanschlag ein paar dB zu laut klackt. Klacken. Klacken von Buchstaben. Buchstaben. Satz zu Ende. Absatz. Klacken von Absätzen. Unaufhörlich. In der ganzen Universität. Es wird hochhackig gelaufen. Ein weiteres Mal verzweifle ich vor der puren Eleganz, die so ignorant jegliches Stillegebot in der Bib ignoriert. Es absolut ad absurdum führt, dass ich aufpassen muss, wie laut ich tippe. Warum? Warum in einer Hochschule? Warum auf dem Weg zum Kopierer oder im Hörsaal? Wo seid ihr, smarte, süße Studentinnen? Mit Rucksäcken. Dicken, praktischen Jacken und Chucks. Naja..immerhin über die Chucks muss man sich ja heute kaum noch beschweren. Vielen Dank.