Monat: Februar, 2010

18:30 und es ist wieder an. Ich bin im Siegerland geboren, aufgewachsen und lebe nun in Siegen selbst, im Sommer sind es zwei Jahre. Und so langsam gibt es etwas, was mich an Siegen zermürbt. Es ist nicht der ewige Regen, den bin ich gewohnt, bin Siegerländer genug, um zu wissen, dass hier jedes Haus, das was auf sich hält, eine geschieferte Wetterseite hat. Bin schließlich im Regen aufgewachsen und kenne jeden Witz über diese Region (Woran erkennt man in Siegen, dass Sommer ist? Der Regen wird wärmer. Ein Riesenspaß.). Es ist nicht der Regen und auch nicht dieses ganz eigene Volk, welches hier lebt. Jahrhunderte zwischen Eisenerz und Hauberg verbrachte. Also entweder in dunklen Stollen und muffigen Gruben oder dunklen Wäldern und muffigen äh..Wäldern. Die Menschen, die meine Freundin als spröde bezeichnet. Auch mit diesem Schlag Menschen komm ich klar. Es ist viel mehr was, was in Siegen allgegenwärtig ist. In anderen Städten gibts das auch. Es ist ein Stadtphänomen, aber – soweit ich weiß – wird es selten so exzessiv eingesetzt, wie vor meiner Haustür.

Es ist 18:30 und die Straßenlaternen gehen an. Natriumdampflampen benötigen ein Vorschaltgerät und ein Zündgerät. Es gibt ein Klack, wenn man genau hinhört und die Straßenlaternen beginnen in einem bläulichweißen Licht zu glimmen. Wir wechsel über ein klares Weiß zu einem Rot. Beim Kaltstart leuchten Natriumdampflampen meist rötlich. Und es festigt sich. Dominierend, allgegenwärtig. Wird zu fünfhundertneunundachtzig Nanometer. Tiefes, dunkles Orange ergießt sich über die Straße vor meiner Haustür. Eine Natriumdampflampe ist eine Gasentladungslampe. Bei der Gasentladung von Dampf des Elementes Natrium kommt es zu einer Emission von praktisch monochromatischem Licht. Ich gehe durch die Straßen und alles ist Orange. Die Autos, die Steine, die Scheiben und die Menschen. Der Asphalt und die Mittelstreifen, selbst meine Haut nimmt diesen Ton von Orangen an, die auf meinem Weihnachtsteller liegen. Am 27.01. noch. Ich fahr mir durch die Haare und sie fühlen sich wie 589nm langes Licht an. Sie werden von meinem Kopf emittiert und flirren in die kalte Nachtluft. Die grundlegende Eingliederung erfolgt bei den Metalldampflampen. Ich ziehe meinen Mantel zu und beschleunige meinen Schritt. Mein Blick ist stur gerade aus gerichtet. Ich nehme kaum was wahr und fühle kaum was, denn die Nacht verschluckt, ohne zu geben. An mir fahren Autos vorbei. Sie haben die unterschiedlichsten Farbtöne, von Orange, über dunkelorange bis Schwarz. Einzig pures Schwarz bleibt unangetastet. Das recht monochromatische Licht (besonders von Niederdrucklampen) ermöglicht kaum Farbsehen. Ich bin orientierungslos zwischen all den Nichtfarben. Allerdings ist das Kontrastsehen in diesem Bereich des Farbenspektrums hoch. Antriebslos wanke ich zwischen orangenen Häuserwänden, Autos, Häuserwänden, orange, Pflanzen und Zäunen, Autos und Häuserwänden. Alles wiederholt sich. Natriumdampflampen werden als Nachtbeleuchtung von Verkehrswegen, öffentlichen Plätzen, Industriegeländen, auch auf militärischem Gelände eingesetzt. Alles wiederholt sich. Das gelbe Licht lockt weniger die Insekten und ist aus Wartungs- und Umweltschutzgründen erwünscht. Alles wiederholt sich.

Eine Welt ohne Farben macht erschreckend wenig Spaß und wenn man bewusst drauf achtet, dann wird einem erst klar, dass ohne sekundäre Lichtquelle, dieses Licht schlicht jede Farbe auslöscht, bis auf eine.  Es ist zerstörend, zermürbend. Kalter Natriumdampf strahlt fast ausschließlich Licht der Wellenlängen 589,00 nm und 589,59 nm ab (Natrium-D-Linien, Natrium-Doppellinie), ist also fast monochrom. Es ist überall, es macht gleich. Es uniformiert und ich merke, wie sich das langsam in meine Gedanken rein frisst, wie jeder nächtliche Spaziergang irgendwie einem Trott ähnelt, hypnotisierend. Photonen dieser Frequenz werden beim Übergang von Elektronen aus dem 2P1 / 2 oder 2P3 / 2 in den 2S1 / 2 Zustand des Natrium-Atoms ausgesandt. Ich fühl mich wie ein Zombie, ich wünsche mir eine kleine Welt mit buntem Licht und fühl mich kindisch dabei. Blinkende bunte Lichtchen. Ein Auto fährt vorbei und taucht meine Welt ganz kurz in Farben. Dann ist die Lichtquelle wieder versiegt und schmeißt mich zurück in mein elendes Orange. moz screenshot 589,00 NanometerDas 2P-Niveau ist durch Spin-Bahn-Kopplung in zwei Unterniveaus aufgespalten.

Das Licht lässt mich jeden Kontrast erkennen. Man sieht hervorragend. Aber man fühlt sich einsam. Man erkennt Alles, aber alles ist gleich. Die Kontaktierung der Lampe mit dem Leuchtensockel erfolgt meistens über ein Edison-Gewinde in den Größen: E27, E33 und E40. Ich bin fast wieder bei meiner Wohnung und wäre ausnahmsweise froh, meine Gedanken würden rasen, aber sie schleimschmieren träge und verklebt in meinem Kopf umher, wie fast verendete Ölvögel vor irgendeiner französischen Küste. Die Natriumdampf-Hochdrucklampe besitzt mit 150 lm/W (Lumen pro Watt) eine außerordentlich hohe Lichtausbeute und ist in Leistungen von 35 Watt bis 1000 Watt erhältlich. Ich verfluche mich, dass ich so beeinflussbar bin, schließe meine Haustür auf, gehe durch den dunkeln Flur ins Bad. Ich betrachte mein Gesicht im Spiegel, im Schein eines 25 Watt Halogenscheinwerfers, betaste es. Das Ende der Gebrauchsfähigkeit von Natriumdampf-Hochdrucklampen zeigt sich durch periodisches Verlöschen und Wiederzünden. Nur um sicher zu gehen, dass all meine Farben nicht langsam von mir abbröckeln.

Alle Einschübe via Wikipedia

Wenn nicht mal Kabarettisten Lust haben zu Lachen… Ich lass das mal so stehen, fand das nur gerade (ganz gut).

Es sind die Momente im Leben, die sich einbrennen. Positiv gemeint; die es schaffen, dass wir aus Gewohnheit Sicherheit lassen werden lassen. Aus Trott Vertrauen. Wenn aus dem bloßen Gedanken an sie, ein Lächeln wird und ihr Geruch mir direkt in der Nase, die Weichheit ihrer Haut direkt präsent ist, dann erinnert mich dieser einzige Gedanke an tausend Momente, die einzeln so kostbar sind, dass jeder Versuch, sie mit Geld aufzuwiegen, in himmelsschreiender Blasphemie endet.

Gemeinsam sind diese Momente allerdings das, was zur Zeit schlicht und ergreifend mein Leben ausmacht. Alles andere..naja alles andere ist irgendwie Bonus. Ein nettes Studium zu haben, gute Sache. Tolle Freunde zu haben, ein wundervoller Rückhalt, will ich nicht missen. Aber mein Leben, das ist was ganz anderes.

Auf einmal hab ich merkwürdige Angewohnheiten. Ich passe auf mich auf. Ich passe tatsächlich darauf auf, dass mir nichts passiert. Darüber machte ich mir früher kaum Gedanken, obwohl ich da auch Menschen wichtig war. Aber ich fühl mich heute viel sinnerfüllter. Das Aufpassen zählt sowohl in der Gegenwart, als auch schlicht und ergreifend für meine Zukunft, die ich nun viel ernsthafter angehe. Ich fühle endlich sowas wie richtige Verantwortung. Und ich bin stolz. Ich bin stolz, dass der Mensch, der zu mir gehört, ein so wundervoller ist. Der trotz vieler Ecken und Kanten sich so perfekt an mich anschmiegt. So gut an mich passt. An den ich so gut passe. Ein Mensch, für den ich alles aufgeben würde, aber nichts muss. Der auch mich, trotz (wir wollen ja jetzt nicht übertreiben und so, ne? Aber hin und wieder..) der ein oder anderen Macke, die ich ja haben soll, genau so annimmt, an sich ran lässt.

Ich fühle mich unbesiegbar, wenn ich neben ihr liege. Die Welt gehört mir. Und trotzdem kann sie mich gepflegt mal. Diese Welt. Blöde Welt. Ha! Da hast du es. Wenn ich so neben ihr liege, dann weiß ich, dass ich einzigartig bin, ich vergesse meinen Lebensstil, der aus Fightclubzitaten zu bestehen scheint, und werde wieder der idealistische, leicht verträumte, Romantiker, als der ich begonnen hab. Ich kichere dämlich, meine Mundwinkel tun vom Grinsen weh. Meine Nase kräuselt sich dabei leicht und ich sag schnulzige Dinge, die ich euch erspare. Also – Leute. Wirklich schnulzig. Aber vor allem: Ich kichere. Hallo?

Warum schreib ich das eigentlich Alles? Ich hab einfach das unglaubliche Bedürfnis, das hier in die Welt hinauszubrüllen. Da es eindeutig zu lang für Grafitti oder Unikloschmiererein ist und ich kein Geld für Flyer hab, naja – aber ich hab ja einen Blog. Sollte es jemand bis hier hin geschafft haben: Sorry, ich werd euch nicht so oft mit Kitsch behelligen, aber manchmal muss das sein. Solltest du die jenige sein: ik hou van jau.

Das wars auch schon. :) Danke für die Aufmerksamkeit.

Okay, wir fangen diesen Beitrag schon mal mit dezentem Prahlen an. Wir unterteilen unser Prahlen in zwei Stufen

  1. Von den Gerichten, die ich bisher hier vorstellte, fiel mir keines so leicht, wie dieses.
  2. Es war noch keins so geil wie dieses. (weiterlesen…)

Hallo, ich bins wieder Kwa. Aufgrund aktueller Wetterdings und Schneekrams hab ich Chris im Backofen verheizt um Wärme zu erzeugen. Ab jetzt gehört der Blog mir.

woche8 300x200 Wärme