Seien wir doch mal ehrlich (seien wir doch mal ehrlich, ich wollte nur mal einen Blog so beginnen), die Blogosphære ist schon ein merkwürdiger, artifizieller Haufen. Außerdem kommt er mir in letzter Zeit immer inzestiöser vor. Kann vielleicht daran liegen, dass ich immer einen Moment brauche, bis neue Blogs mich überzeugt haben, dass ich ein Gewohnheitstier bin und nicht jedem dahergelaufenen Zwitscherer blind folge. Will mich halt nicht darauf verlassen, dass ich auch als Seheingeschränkter mal ein Korn find. Das führt unweigerlich zu diesem hoch inzestiösen Gefüge: Ich les einige Blogs von Leuten, die ich in echt kenne. Und vielleicht les ich diese Blogs auch nur, weil ich die Leute in echt kenne und naja, das steigert schon das Interesse an deren Gedanken und alltäglichem Tun. Und vielleicht würd ich einige dieser Blogs (auch Tweets) kaum verfolgen, wenn sie nicht den persönlichen Bezug hätten.
Diese Leute kennen wieder ein paar Leute, die ich darüber auch “kennen gelernt” (hier sind wir im virtuellen angelangt) habe. Und das ist ja die Idee von diesem Socialmediakram. Ich kenne wen, der wen kennt, der wen kennt, der wen kennt und den kenn ich jetzt auch. Eben aus dieser Bekanntenweiterreichkette. Und im Idealfall sollte das unendlich so weiter gehen. Tuts aber schlicht nicht. Ich merk seit Monaten, dass ich einen sehr ähnlichen Dunstkreis hab. Die immergleichen Gesichter im Internet. Man kennt sich fast, ohne sich je begegnet zu sein. Man liest halt Blogs und Tweets und irgendwie ist das eine ganz arg merkwürdige Beziehung, die man da führt. Es gibt tatsächlich eine Art Cliquenbildung. Und egal, wo man im Internet ansetzt, man landet über drei Umwege eh immer wieder bei Stiller. Den kenn ich nämlich jetzt offiziell über mind. zwei Beziehungen. Aber darum geht es ja gar nicht. Es geht um den immer gleich bleibenden Fundus an Menschen. Natürlich kann ich den ganz instinktiv erweitern, in dem ich mehr Kontakte schließe, aber es bleibt immer der ähnliche Kreis Leute, die untereinander kommentieren und sich retweeten, gruscheln, anstupsen, replien, ping- und trackbacken.
Ein anderes Phänomen ist einfach die geschlossene Gesellschaft, die Blogger bilden. Ich krieg hauptsächlich Kommentare von Bloggern. Kaum jemand, sollte er nicht gerade ein immenses “real-life”-Interesse an meiner Person hegen, kommt auf die Idee auf Blogs zu kommentieren. Es sind größtenteils nur Blogger, die sich selbst aktiv am Content und am Feedback beteiligen, wobei man eigentlich nichts tun muss, auch als normaler Leser nicht. Man muss sich nicht anmelden (außer man will nen netten Gravatar :> ) und geht auch sonst keine Verpflichtungen ein. Aber anscheinend besteht gar kein Interesse? Vielleicht besteht auch immernoch eine viel zu große Unkenntnis. Ich war sichtlich erstaunt, als in meinem medienwissenschaftlichen Studiengang das Wort Blog fiel und mehrfach die Frage kam, was das denn überhaupt sei. Unwissen hüllt sich sich über dieses merkwürdig-geekige Sprachrohr, welches von sich selbst schon vor Jahren als tot deklariert wurde und immer wieder aufersteht, wie die Rolling Stones. Schon merkwürdig, wie krass die Divergenz ist, zwischen dem, was man mit Blogs tun will und was letztendlich geschieht. Man möchte frei und offen, für jeden zugänglich, seine Meinung darstellen, informieren, in irgendeiner Weise – für den eigenen Geschmack – relevanten Content kommunizieren. Und was passiert? Man bildet eine eigene Klasse. Ein eigenes System, was nur von Gleichgesinnten verfolgt wird. Einer Gruppe, die so verschwindend gering ist, dass sie einem vorkommt, wie eine kleine, idyllische Familie.
Und Stiller ist der nette Onkel 3. Grades, der aufm Familientreffen betrunken aufm Tisch tanzt.

ich bibn so eine, deren blog dur nur ließt weil du mich kennst. das weiß ich, weil ich so aus den andern blogs raussteche die ließt =D
Mein Blogkreis ist iwie ziemlich groß. Weil ich von allem ein bisschen verfolge,Tagebuch-Blogs, Fashion-blogs, Film und Game Blogs, Blogs ohne irgendein Thema, und alle möglichen altersgruppen sind vertreten.
Hier fehlt die Funktionen den Artikel automatisch retweeten zu können
@Mona: Du bist natürlich herzlich dazu eingeladen, das via Twitter nachzuholen
Jetzt fühl ich mich geehrt, weil du mir folgst, obwohl ich eigentlich nur daher gelaufen kam
Das mit der Cliquenbildung ist mir aber auch schon aufgefallen. Einige Blogs lesen sich gegenseitig und eine Hand voll andere noch, die dann wieder einen Kreis haben, in dem sie sich untereinander lesen (ich hoffe du verstehst was ich damit sagen will). Spätestens wenn man von zwei verschiedenen Kreisen auf den gleichen Blog stößt fragt man sich ob eigentlich alles innerhalb von Blogs zusammenhängt… und tut es anscheinend. Ich kriege auch überwiegend Kommentare von Bloggern – liegt bei mir aber auch ein bisschen daran, dass einige inzwischen mit dem Bloggen angefangen haben.
Das mit dem Real Life ist mir übrigens zu doof geworden. Ich lese keine Blogs mehr von Freunden und Bekannten, nur weil es Freunde und Bekannte von mir sind. Im Gegenteil lese ich sogar mehr Blogs von Leuten, die ich interessant finde oder die sympathisch rüber kommen _ohne_ die real zu kennen. Umso toller ist es, wenn daraus dann reale Bekanntschaften entstehen.