Gestern war ich am Kölner Bahnhof. Hab meine werte Frau Freundin abgeholt, die von Düsseldorf über Köln wieder zurück in meine Heimatstadt gedeutschebahnt wurde. Der Plan war simpel wie elegant. Ich fahr nach Köln, bin 30 Minuten vor ihr da, hau ein bisschen tote Zeit aufn Kopf (neue Redewendungen braucht das Land) und hole sie dann von Gleis Sieben, Abschnitt C bis E ab. Gesagt getan. Also fuhr ich anderthalb Stunden Zug, bis Köln. Dabei hatte ich mein Handy, mit Musik von Gisbert zu Knyphausen und das Buch zu Marc-Uwe Klings Känguru-Chroniken. Großartig. So vergeht auch so ne schnöde Zugfahrt.

In Köln angekommen, drängte mich der Drang allen Natürlichens. Ich hoffe inständig, dass ich damit keine Metapher fürs Sterben, sondern eine für den Gang zur Toilette nutzte. Also wetzte ich von meinem Ankunftsgleis Acht  los, um das Gleis 00 zu finden. Auch gar nicht so schwierig eigentlich, denn es gibt kein Bahnhofsklo, sondern natürlich ein Bahnhofsfranchisesanitärunternehmen. Meine Anspannung wurde geschürt. Drehkreuze am Eingang, das kenn ich sonst nur aus Vergnügungsparks, vor Achterbahnen, die einen ganz besonderen Andrang haben. Find ich gut, wer weiß, was mich hier erwartet. Ich geh die Treppe runter, das ist gleichzusetzen mit dem Anziehen, dem ersten Hill. Das Fahrzeug rastet in die Zugkette ein und wird mit einem stetigen Klackern, das die Vorfreude und die Angst förmlich schürt, hochgezogen.

Da kommt er, der erste Drop, der erste Schrei, der meiner Kehle entfährt. Ich werde losgelassen und merke: Das Klo kostet nen Euro. Hallo? Ein Euro? Dafür bekomm ich nen Cheesburger. Ne Cola oder ne Fanta. Einen Einkaufswagen. Klobürsten, Pfannenwender und Sprühpflaster im 1€-Shop, Nagellack, Klopapiersinglepackungen, Q-Tipps oder nen belegtes Brötchen beim Sparback-Sparbäcker. Aber um einmal aufs Klo zu gehen? Junge, Junge. Naja vielleicht hängt ja über jedem Pissoir einer von diesen neuen 3D-Fernsehern. Die wollt ich mir eh mal im Laden angucken, ob das was taugt.

Ich geh durchs Drehkreuz. Ich orientier mich. Herren müssen rechts lang. Na dann mal los! Ich such mir eine freie Kabine und hier senkt sich erstmal der Mantel der Berichterstattung, bis zu dem unweigerlichen Punkt des zweiten Drops (hier ähm..also meine Metapher. Das ist nicht so gemeint, wie ihr jetzt denkt, denn es geht um -> ). Ich greife zum Toilettenpapier und mein erster Gedanke ist: Wütend aufspringen, die Klotür von innen eintreten, Waschbecken rausreißen und die Klofrau und den verantwortlichen Manager mit der Klobürste traktieren, bis sie die Form eines 1€ Stücks haben. Tat ich aber nicht. Hatte ja noch die Hose unten.

Wütend betrachtete ich das zwei lagige Bioschmirgelpapier in meiner Hand. Zwei Lagen aus Sicherheitsgründen. Denn die einzelne war so dünn, dass man durch gucken konnte. Na Danke.