Ich danke meinen Eltern. Mit 12 Jahren nahmen sie mich mit nach Köln auf einen Christopher Street Day. Meine Eltern sind und waren nicht schwul. Aber es war die perfekte Lehrstunde in Toleranz. Ich hab keine, meinem Geschlecht so häufig anhaftende, ausgeprägte Homophobie und ich nehme auch Lesben ernst, da ich weiß, dass das mehr ist, als nur eine Partyerscheinung nach fünf Becks. Doch eine Sache, die stört mich.

Ich verstehe nicht, warum man mit Bisexualität kokettiert. Und zwar in solch ausgeprägtem Ausmaße, wie es derzeit der Fall ist. Bisexualität an sich ist ne feine Sache. Die meisten, betont bisexuellen, betonen wiederum, dass sie nicht ein Geschlecht lieben, sondern einen Menschen und es dann egal ist, was zwischen den Beinen hängt. Oder eben nicht. Find ich knorke und nachvollziehbar. Für mich sind diese Thesen, dass in jedem Menschen was Bisexuelles steckt, es aber einfach wegsozialisiert wird, nicht unverständlich, auch wenn ich mir für mich derzeit keine Intimitäten mit anderen Penissen vorstellen kann.

Naja sei’s wie es sei. Warum muss man damit jetzt aber immer die große Pimmelglocke bimmeln? Plumpes Beispiel. Ihr lest ja grad ein Blog. Das ist ja meistens personengebunden. Und dann gibts auch immer Infos über den Autor. Könnt ihr hier auch haben. Steht ganz oben. Immer häufiger stolper ich jetzt über “Frauke, 23, bi, studiert Germanistik” oder “Alex, 19, bisexuell, stehe total auf Fußball und schreibe viel” Oder wie auch immer. Warum genau und wieso hältst du es für wichtig, dass ich das weiß?

Hallo, ich bin Chris. Ich bin 22, fast 23, bin hetero (ich stehe auf Frauen. Das heißt, nicht auf Kerle!), studiere Medienwissenschaften und schreiben mach ich nämlich auch schon voll lange.

Liest sich jetzt nicht so knorke. Eher wie ne Kontaktanzeige. Woran liegt das? Achja, ich hab meine sexuelle Orientierung da als wichtiges Faktum reingepackt. Aber irgendwie lässt sich mit “hetero” nicht so gut kokettieren, jonglieren, Toleranz kommunizieren. Ist es letztendlich das? Simples “Hallo! Hier! Ich bin anders! Und tolerant!!!11″? Sorry, aber dann scheitert das langsam, weil ich inzwischen in meinem Freundeskreis so viele Leute hab, die überhaupt kein Problem haben, sich auch mal aufs gleiche Geschlecht (oder eben das andere) einzulassen. Ist “bi” also mehr als Chucks, PLO-Tuch und Che-/Sternbutton? Ich weiß nicht. Irgendwie…