Meine freie Zeit verbrachte ich in letzter Zeit unglaublich sinn- und stilvoll, muss ich zugeben. Neulich Abend irgendwann, es wird eine laue Sommernacht gewesen sein. Die Straße war noch warm vom hitzigen Tagestreiben, die Pflanzen rochen angenehm, irgendwo feierten Menschen die gute Zeit und grillten. Grillen unterlegten die Harmonie. Die Luft war anregend, verleitete zu poetischen Ergüssen. Die weiche Haut einer geliebten Person unter meinen Fingerspitzen, ihr sommerlicher Duft in meiner Nase, hinterließ mich schwärmend, von Schmetterlingen und Regenbogen träumend. Und im Fernsehn lief Jackass. Der Film.

Das verleitete mich – natürlich aus rein wissenschaftlichen Gründen, nochmal mit dem Phänomen Jackass auseinanderzusetzen. Und bei Gott, das tat ich. Alte Erinnerungen und Namen wurden wach. Oh wie geil! Bam Margera! Und Ryan Dunn. Oh shit, Partyboy Chris Pontius. Ha, Weeman, Steve-O. Ehren Mcgehey, Dave England. Alle sind sie dabei. Raab himself, Phil Margera. Und natürlich Hello, my name is Johnny Knoxville, welcome to Jackass. Punk-Country-Mashup. Alles in dieser Serie ist irgendwie Mash-Up. Ein Gebräu aus Schmerzen, Lachen, Körperausscheidungen, beknackten Stunts und merkwürdigen Pranks/Skits (also Leute-Verarschen). Das ganze in einer bis dato einzigartigen Mischung, die – trotz immer wieder betontem Nicht-Nachahmen – gerade das forderte und z.B. Uschi Glas’ Sohnemann von der Straßen in den Knast (mit Zwischenstation Jackassklon) beförderte. Jackass hat irgendwie Maßstäbe gesetzt. Auf ne strange Art.

Die ersten Dinge, die ich in die Richtung sah, waren Anfang/Mitte der 90er (also seitdem ich TV konsumiere) diese merkwürdigen Amateurvideo-Shows. Früher noch mit echten Moderatoren mit Konzept und so. Später immer mehr auch in der Peripherie zum Trash verkommen, gaben diese Shows den unfreiwilligen Humor dieser Zeit an. Leute schickten Videos ein, wie Oma in den Kuchen, die Braut von der Tanzfläche und die Zwillinge neben den Pool landeten. War irgendwie ganz lustig, lebte aber von Wiederholungen. Irgendwann wiederholten sich die Motive. Irgendwann sogar die Videos selbst. Aber auch da kamen schon mit der Zeit immer mehr Leute, die sich bei offensichtlich dummen Dingen filmten. Downhill mit nem Mountainbike auf nen Fluss zu. Kann ja eigentlich gar nicht gut gehen, wenn jemand filmt. War das der Anfang? Irgendwie schon.

Für Jackass wurde dann zur Jahrtausendwende hin ein Haufen von Kuriositäten zusammengestellt. Alle grob aus dem Skatermilieu. Ein Kleinwüchsiger, ein ehemaliger Clown. Alle irgendwie leicht exhibitionistisch, anal- und genitalfixiert, sich für keinen Spaß zu schade. Und darauf basiert es letztendlich. Man appeliert an Schadenfreude. Teilt zwar auch an andere aus, aber hauptsächlich steckt man ein. Wenn man mit einem Dreirad eine 50m lange Treppe runter fährt. Sich die Hinterbacken zusammenpiercen lässt. Und ich könnt unendlich viele Beispiele bringen.

Ich hab Spaß dran. Muss ich zugeben. Ich hab einfach Freude daran, mir diesen Unfug anzugucken. Ich find die Charaktere auf ne bizarre Art unglaublich sympathisch. Total wracked. Wasted. Sympathisch. Gute Menschen. Wie gehts euch da? There is a big, red truck in Mianus.