Es sind diese Nächte, die einem den Atem rauben. Die Nächte, in denen der Himmel von Sternen übersät ist, die Luft sich gleich einer wärmenden Decke um den eigenen Körper wickelt und der Geruch von Freiheit das unaufdringlichste Parfum ist, was die Welt in diesem Moment zu bieten hat.
Ich atme tief ein, spüre, wie die warme Luft in meine Lunge strömt, sich ein kleines Atom in Bewegung setzt, seinen Nachbarn zum Tanz auffordert, begleitet vom Orchester der Nacht. Ein Tanz, ein Impuls.
In meinem Kopf setzt sich das Gedankenkarussel in Gang.
Eigentlich ist es genauso wie damals. Wie wir als Kinder auf dem Jahrmarkt durch die Menschenmenge irrten, die Lichter sich in unseren Augen spiegelten, die Faszination jedes Glied einnahm. Damals war es der Jahrmarkt, der uns fesselte, heute sind es Gedanken, die uns nicht loslassen.
In Gedanken springe ich durch das vergangene Jahr. Bilder flimmern vor meinem inneren Auge. Die Nacht, in der ich mein Herz verlor, Tage in Berlin gekoppelt mit dem Gefühl, dass da jemand ist, der wartet, ein tränenreicher Abschied, Gespräche über die Welt, über Träume, Wünsche, Perspektiven für die Zukunft, die Volljährigkeit, das erste Mal alleine im Auto unterwegs sein und glauben, ein kleines Stück mehr Freiheit in den Händen zu halten als zuvor, Sehnsucht, Sorgen, einen guten Freund finden und ihn wieder verlieren, Enttäuschungen, der erste richtige Liebeskummer, Freundschaften zerbrechen, das Gefühl, dass alles, was man hat, langsam zerbricht, Freundschaften entstehen, durchtanzte Nächte, ehrliche Tränen, Fehltritte, Konzerte, regnerische Tage in München, Abstürze, verschwendete Worte, ungesagte Worte – Hochpunkte und Tiefpunkte, Hand in Hand.

Ich öffne die Augen, um dem Gedankenkarussel zu entfliehen. Die Lichter der Stadt liegen verschwommen vor mir, über mein Gesicht legt sich ein Netz, auf meine Lippe fällt ein Tropfen salziger Flüssigkeit.
Es tut erst richtig weh, wenn man denkt, man ist drüber hinweg.
Ich stehe auf, unter meinen nackten Füßen knirscht der warme Kies, bohrt sich in meine Fußsohlen. Ich kehre der Stadt den Rücken zu, meine Schritte werden schneller, ich laufe, ich renne, renne und renne, bis die Dunkelheit die Lichter der Stadt verschluckt. Renne, renne und renne.
Auf der Suche nach irgendwas, das bleibt.

oh man, da hast du aber gerade ne fette Schublade aufgemacht und ne Menge Bilder in den richtigen Rahmen gerückt. Danke dafür, sehr bemerkenswert.
I fell in love with your text.
Manche Menschen bleiben, vielleicht manche Freunde, vielleicht Familie… Musik bleibt… etwas von dir bleibt. Vieles ändert sich, vieles geht und neues kommt, ja, wohl wahr…