Meine Erfahrungen mit Home Office

COVID-19 ist in aller Munde (ugh), aber ob nun “remote work”, “Tele-Arbeit” oder “Home Office”, das überaus ungeliebte Stiefkind der deutschen Industrie ist es momentan auch. Ich möchte mal über meine Erfahrungen mit Home-Office sprechen.

Kurz zum Hintergrund. Seit grob sechs Jahren arbeite ich nun bei meinem Arbeitgeber, einer Agentur aus dem Siegerland als Web-Entwickler. Aus Siegen komme ich ursprünglich und habe auch den größten Teil meines Lebens dort verbracht. Nun verschlugen mich Liebe und Logistik vor etwas mehr als drei Jahren ins Rheinland. Rund 80km von meinem Arbeitsplatz entfernt. Der Deal mit meinem Arbeitgeber? Wir probieren mal einmal die Woche Home-Office und der Rest wird gependelt. Der Deal mit meiner Mutter? Eine Nacht in der Woche kann ich in meinem alten Bett im Siegerland pennen. Das hat das Pendeln auf ein erträgliches Maß reduziert und war für meinen Arbeitgeber der erste größere Testballon für remotes Arbeiten.

Wenn Home-Office Mittel der Wahl wird

Irgendwann kam ein Standort in Köln dazu. Ein schönes Büro, 20 Minuten mit den Öffentlichen. Neue Kollegen gesellten sich dazu und für meinen Arbeitgeber entstand eine weitere Dimension der Herausforderung “Remotes Arbeiten”. Wie deckt man mit größeren Teilen des Teams Kommunikation standortübergreifend ab. Wie geht man mit geteilten Dateien, VPN-Verbindungen, Telefonen etc um. Wir haben ne Menge gelernt. Dazu unten mehr.

Doch für mich entstand auch eine Dimension, die mich vermehrt wieder ins Home Office getrieben hat. In einem “kleinen” Büro sitzen vier Kollegen aufeinander, drei davon arbeiten projektbedingt dicht zusammen, der vierte arbeitet in einem komplett anderen Bereich. Richtig geraten: Ich.

Immer öfter brauchte ich Ruhe und in Kombination mit der Zuverlässigkeit der Deutschen Bahn (…) zog ich mich immer öfter in meine eigenen vier Wände zurück, wenn ich nicht nach Siegen fuhr, um dort an Meetings, Plannings oder dergleichen teilzunehmen.

Kontrolle über die Umstände

Zuhause habe ich Kontrolle über alle Umstände. Wie viele Grabenkämpfe gab es in deutschen Büros wohl schon um Musik, Temperatur, Luft, Lautstärke. Hier an meinem Schreibtisch habe ich das alles selbst in der Hand. Ich höre meine Arbeitsmusik, lüfte, wann ich will, habe meine Temperatur. Ich störe niemanden, wenn ich mal ne Stunde WebEx hab.

Vereinsamt man da nicht total?

Ja. Definitiv ein Thema. Es gibt zwar Kommunikationswege, aber es ist natürlich nie das gleiche. Für mich gilt: Ich halte es deutlich länger aus, als viele meiner Kollegen oder Bekannten. Ich habe generell kein großes Problem damit, mit mir allein zu sein und so geht es mir auch mit meiner Arbeit. Ist aber definitiv nicht für jeden was.

Home Office, das ist doch das “ohne Hose”

Ja, auch das stimmt. Also meist im übertragenen Sinne, aber manchmal auch wörtlich. Natürlich gelten zuhause andere Regeln als im Büro. Und niemand der tagtäglich Anzug trägt, wird das im Home Office gleichermaßen handhaben. Dennoch ist eine gewisse Disziplin wichtig. Sich einfach aus dem Bett schwingen und in Boxhershorts vors MacBook klemmen erscheint mitunter verlockend, aber kann a) bei Video-Telefonie befremdlich werden und b) vor allem dafür sorgen, dass man nicht ins richtige Mindset kommt. Das kann tatsächlich fatal sein.

Es muss eine Trennung zwischen Freizeit und Arbeit stattfinden. Sonst kommt man entweder nicht rein oder nicht mehr raus. Im Regelfall regelt das der geregelte Anfahrtsweg. Das ist ein Ritual. Nicht im Hokuspokus-Sinne, sondern schlicht und ergreifend für den Kopf. Eine Routine, die was in uns auslöst. Die fehlt, wenn man sich morgens den Laptop nur ins Bett zieht und maln Stündchen im Liegen “arbeitet”. Das funktioniert in aller Regel nicht.

Und dann hat man ein ganzes Scheiß Büro zuhause?!

Ja, nö. Wenn der Job es zulässt und der Arbeitgeber einigermaßen vorbereitet ist, hat man eigentlich nüscht zuhause. Mein MacBook versorgt mich in aller Regel mit allem was ich brauche. Ich habe Slack für die interne Kommunikation. All unsere Dienste (Jira, GitLab, Confluence, Moco, AWS, …) sind eh remote verfügbar oder via VPN-Client. Über den kann ich auch auf die Netzlaufwerke zugreifen.

VoIP sorgt schon lange dafür, dass ich mir einfach einen Client auf meinem Smartphone oder MacBook installieren kann und kein Telefon mehr brauche.

Dokumente? Wir arbeiten in unserem Bereich inzwischen zu 98 % papierlos. Alles was ich brauche, ist in meinem Laptop.

Wie sieht mein Home Office aus?

Ich bin einer der wenigen Menschen, die noch einen Desktop-PC zuhause haben, z. B. für die Fotos. Alle Jubeljahre auch mal zum Zocken. Das ganze Setup steht auf einem echten Schreibtisch. Dediziert für diesen Zweck. Ich hab einen Monitor, den ich zusätzlich an mein MacBook anschließen kann und Bluetooth Maus und Tastatur die ich bei Bedarf auch einfach koppel. Schon hab ich einen vollständigen Arbeitsplatz. In einem getrennten Raum Weit weg vom Bett.

Ist das nun für jeden was?

Ich glaube nicht, nein. Momentan werden wir nicht drum rum kommen und es wird uns nicht umbringen. Mein Arbeitgeber hat heute Home Office zwangsweise für alle Mitarbeiter angeordnet. Das wird sehr gut funktionieren, da bin ich mir sicher.

Dennoch glaube ich auch, dass es Leute gibt, für die ist das keine dauerhafte Lösung. Denn es kostet Disziplin, bei allen Vorteilen, die es auch bietet. Finger weg vom Haushalt. Finger weg davon, einfach mal kurz noch was einkaufen zu gehen “weils ja eh keiner sieht”. Das ist Gift für die Produktivität. Dann tröstet man sich lieber damit, dass man das in der Zeit erledigen kann, die man durch fehlende An- und Abreise gespart hat.

Und hältst du dich da selber dran?

In der Tat funktioniert das Konzept, wie oben erwähnt, für mich sehr gut. Halte ich mich 100 % daran? Nein. Auch ich stelle mal eine Maschine Wäsche an. Oder schmeiße sie danach in den Trockner. Das sind Prozesse, die natürlich auch nur fünf Minuten dauern. Aber es sind auch gleichzeitig meine “Zigarettenpausen”. Pausen, die ich mir im Büro auch nehmen würde. Wichtig dabei: Ich empfinde “eine Maschine Wäsche anwerfen” nicht als große Arbeit. “Wäsche falten und in den Schrank räumen” wäre dann schon wieder ein ganz anderes Thema.

Nun seid ihr dran! Habt ihr Fragen zu dem Thema? Wie sind eure Erfahrungen mit Home Office? Seid ihr auch schon zwangsverhomeofficed dank Corona?

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